Trotz 9 Milliarden Euro Staatshilfe

Lufthansa am Boden: 22.000 Vollzeitstellen sollen abgebaut werden

06. August 2020 - 9:33 Uhr

Auch im zweiten Quartal 2020 Milliardenverlust

Der Zusammenbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat der Lufthansa im zweiten Quartal einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 226 Millionen ein Jahr zuvor, wie der inzwischen vom Staat gestützte Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Wirtschaft muss einen harten Sparkurs fahren und will rund 22.000 Vollzeitstellen abbauen.

Lichtblick: Lufthansa Cargo mit Rekordergebnis

Der operative Verlust (bereinigtes Ebit) lag mit knapp 1,7 Milliarden Euro noch höher. Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankte das Unternehmen einem Rekordergebnis seiner Frachttochter Lufthansa Cargo, die von der stark gestiegenen Nachfrage nach Frachtflügen profitierte. Damit stiegt im ersten Halbjahr der Nettoverlust auf drei Milliarden Euro – ein Rekord.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet, dass der Flugverkehr frühestens im Jahr 2024 wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht. Vor allem auf den Langstreckenverbindungen werde es keine schnelle Erholung geben. Der Konzern will deshalb seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22.000 Vollzeitstellen abbauen. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8300 gesenkt.

Die Lufthansa musste mit neun Milliarden Euro staatlicher Finanzhilfe vor der Pleite in der Corona-Krise gerettet werden.  Das Unternehmen will mit massiven Kostensenkungen die Krise bewältigen und die Schulden beim Staat rasch wieder abbauen. 

Lufthansa will weltweit 22.000 Vollzeitstellen abbauen

Die Lufthansa verschärft angesichts stockender Verhandlungen mit den Gewerkschaften in der Corona-Krise ihre Gangart beim Abbau tausender Arbeitsplätze. Der Plan, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sei angesichts der Entwicklungen im weltweiten Luftverkehr und der Verhandlungen mit den Gewerkschaften auch für Deutschland nicht mehr realistisch, teilte der inzwischen teilverstaatlichte Konzern bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz am Donnerstag in Frankfurt mit.

Die Lufthansa will weltweit rund 22.000 Vollzeitstellen abbauen und verhandelt mit der Arbeitnehmerseite über ein Entgegenkommen, um die Einschnitte zu begrenzen. "Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", sagte Vorstandschef Carsten Spohr.

Quelle DPA / RTL.de