'Lügenpresse' ist das Unwort des Jahres 2014

Das 'Unwort des Jahres 2013' war 'Sozialtourismus', 2012 'Opfer-Abo'.
© dpa, Stephan Jansen

14. Januar 2015 - 7:21 Uhr

Jury trifft nach 'Charlie Hebdo'-Anschlag "Nagel auf den Kopf“

'Lügenpresse' ist das 'Unwort des Jahres 2014'. Das Schlagwort "war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien", begründete die Jury ihre Entscheidung.

Das Wort werde "von Leuten gezielt verwendet, die Pegida steuern wollen", sagte Janich. Hintergrund seien "rechtsextreme Gründe" - was aber nicht allen Teilnehmern der Pegida-Demonstrationen bewusst sei. Mit dem Ausdruck würden Medien allgemein diffamiert. "Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit." Der Ausdruck sei siebenmal eingesandt worden.

Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marco Wanderwitz, lobte die Wahl. "Eine Woche nach dem terroristischen Anschlag auf das Satiremagazin 'Charlie Hebdo' und im Angesicht von Pegida trifft die Jury den Nagel auf den Kopf: Die Presse- und Meinungsfreiheit ist leider auch in den freiheitlichen westlichen Demokratien immer wieder aufs Neue bedroht", sagte er.

'Putin-Versteher' am häufigsten vorgeschlagen

Rund 1.250 Einsendungen mit Vorschlägen waren eingegangen. Für die sprachkritische Jury standen zudem oft genannte Begriffe wie 'Putin-Versteher', 'Pegida' und auch 'Social Freezing' zur Diskussion. Das Gremium aus Sprachwissenschaftlern entscheidet unabhängig und richtet sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge.

Am häufigsten vorgeschlagen wurde der Begriff 'Putin-Versteher'. Damit sind Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt gemeint. Da die Bezeichnung einen Eigennamen enthält, galt sie aber von Anfang an nicht als besonders aussichtsreich.

An zweiter Stelle stand Pegida, die Abkürzung für 'Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes'. Am dritthäufigsten genannt wurde 'Social Freezing' - ein Begriff für das Einfrieren von Eizellen, womit Frauen ihren Kinderwunsch auf unbestimmte Zeit verschieben können.

Das 'Unwort des Jahres 2013' war 'Sozialtourismus', 2012 entschied sich die Jury für 'Opfer-Abo'. Die Aktion gibt es seit 1991. Davon getrennt wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache das 'Wort des Jahres'. Für 2014 wurde im Dezember die Bezeichnung 'Lichtgrenze' bekanntgegeben. Der Name stand für ein Kunstwerk in Berlin anlässlich des Festakts zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.