Kindesmissbrauch in Lügde und Bergisch Gladbach

NRW-Innenminister Reul: "Verwandtschaftliche Beziehungen" zwischen den Tätern beider Fälle

16. Januar 2020 - 10:50 Uhr

Herbert Reul: "Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs"

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Kindesmissbrauchsfällen in Lügde und Bergisch Gladbach? Nach aktuellem Ermittlungsstand gebe es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Tätern der beiden Fällen, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul. Das könne auch Zufall sein. Bisher konnte laut dem Minister keine tatrelevanten Verbindungen festgestellt werden. Er versprach aber, dass sich die Ermittlungsbehörden sich weiter intensiv mit dem Fall beschäftigen werden. "Wir bleiben da dran", sagte Reul.

NRW-Innenminister versprach weitere Ermittlungen zu den Missbrauchsfällen

NRW-Innenminister Herbert Reul
NRW-Innenminister Herbert Reul gibt Auskunft zu den Ermittlungen in Lügde und Bergisch Gladbach.
© dpa, Federico Gambarini, fg alf

"Es wird bestimmt noch weitere Täter und Opfer geben, die identifiziert werden", sagte er, denn die Polizei sei dabei, das, was bisher im Verborgenen passiert ist, aufzudecken. "Wir knipsen praktisch das Licht an seit Lügde", so der Minister. "Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs."

Er ist dankbar, dass seitdem nicht mehr weggeschaut werde. Es sei nicht überraschend, dass dabei weitere Details ans Licht kommen, sagte Reul. Kindesmissbrauch und Kinderpornografie seinen keine Einzelfälle, sondern ein "Massenphänomen". Er dankte den Polizeibeamten für ihren engagierten Einsatz. 216 seien bei den Ermittlungen im Einsatz. Das sei historisch einmalig. 

Die Kölner Staatsanwaltschaft und das Justizministerium in Nordrhein-Westfalen haben nach eigenen Angaben ebenfalls keine Hinweise auf einen strafrechtlich bedeutsamen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen von Bergisch Gladbach und Lügde gefunden. "Wir haben keinerlei Erkenntnisse darüber gewonnen, dass Täter aus unserem Tatkomplex Bergisch Gladbach auch an den in Lügde begangenen Taten beteiligt gewesen sein könnten", sagte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn.

RTL-Recherchen: Zusammenhang zwischen den Skandalen von Lügde und Bergisch Gladbach

Von dem Verdacht, dass die Missbrauchs-Skandale in Lügde und Bergisch Gladbach möglicherweise zusammenhängen, hatte hat RTL-Reporter Ulrich Klose aus Ermittlerkreisen erfahren. Die bereits verurteilten Täter in Lügde sollen mit den unter Kinderporno-Verdacht stehenden Tätern aus Bergisch Gladbach zusammengearbeitet haben.

Noch fehle es an Beweisen, aber nach RTL-Informationen fanden die Ermittler inzwischen heraus, dass auch der 84-jährige Opa des mutmaßlichen Haupttäters von Bergisch Gladbach nicht nur wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde, sondern auch jahrelang einen Wohnwagen auf dem Lügder Campingplatz hatte. Dafür, dass sich die Täter gegenseitig Opfer zugeführt haben, gibt es aber bisher keine Beweise.

Zwei große Missbrauchsfälle in Nordrhein-Westfalen

Der Fall Lügde hat das Land im vergangenen Jahr aufgerüttelt. Zwei Männer hatten dort auf einem Campingplatz Kinder und Jugendliche in mehreren hundert Fällen sexuell missbraucht und die Taten teilweise gefilmt.

Der Fall in Bergisch Gladbach ist wohl noch größer. Aktuell gehen die Ermittler von 42 Tatverdächtigen aus ganz Deutschland aus, von denen zehn in Untersuchungshaft sitzen. 25 Opfer sind mittlerweile identifiziert. Die Polizei ermittelt insgesamt gegen 1.800 Menschen, die in einem Chat Bilder und Videos von missbrauchten Kindern ausgetauscht haben, die zum Teil nicht mal ein Jahr alt waren.

TVNOW-Doku zu Lügde

RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk hat sich auf Spurensuche begeben und mit Opfern und Behördenvertretern gesprochen. Warum dauerte es so lange, bis Andreas V. verhaftet wurde? Die ganze Doku zum Fall Lügde gibt es ab sofort auf TVNOW zu sehen.