Lässt sich ein neuer Lockdown verhindern?

Lüften, lernen, frieren: Wie weiter in den Schulen bei steigenden Infektionszahlen?

Schule unter Coronabedingungen
© dpa, Jens Büttner, jbu alf jat

15. Oktober 2020 - 13:27 Uhr

von Dirk Emmerich

Die Infektionszahlen steigen Tag für Tag und machen vor keinem Bereich des öffentlichen Lebens halt. Das betrifft auch die Schulen. Erneut wird über eine Verlängerung von Ferien und sogar über die Schließung gesprochen. Eltern und Lehrer verlangen deutlich mehr Engagement von der Politik.

+++ Alle aktuellen Infos zum Corona-Virus jederzeit im Liveticker +++

Klassenräume regelmäßig lüften

25.09.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Fenster einer Grundschule sind zum Lüften geöffnet. Zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen in den Schulen empfehlen Wissenschaftler nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) regelmäßiges Lüften in kurzen
Der Leiter der zuständigen Kommission Innenraumlufthygiene, Heinz-Jörn Moriske, empfiehlt in seiner Antwort, nach jeder Stunde die gesamte Pause kräftig zu lüften. Und auch während des Unterrichts sollten alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten alle Fenster und Türen geöffnet werden. Dadurch könnten Aerosole und die an ihnen haftenden Viren abgeleitet werden.
© dpa, Christoph Schmidt, cdt wst

Heute tagt die Kultusministerkonferenz, rein virtuell per Video, ganz Corona-gerecht. Und die zentrale Frage, mit der sich die Minister befassen, wie die Schulen angesichts der exponentiell zunehmenden Infektionszahlen durch den bevorstehenden Herbst und Winter kommen können.

Im Vorfeld der Beratungen hagelte es bereits viel Kritik von Eltern und Lehrern. In den letzten Wochen sei viel zu wenig getan worden, um den laufenden Schulbetrieb nicht erneut zu gefährden. Mit viel Kraftaufwand seien die Schulen gerade dabei, den großen Rückstand des Frühjahrs aufzuholen. Eine neuerliche Verlängerung der Ferien, wie sie bereits ins Spiel gebracht wurde, oder gar eine völlige Schließung würde viele Bemühungen zunichte machen.

Es geht vor allem um die Aerosol-Belastung in den Klassenräumen. Die Kultusminister hatten für die heutige Sitzung eine Einschätzung des Bundesumweltamtes angefragt. Der Leiter der zuständigen Kommission Innenraumlufthygiene, Heinz-Jörn Moriske, empfiehlt in seiner Antwort, nach jeder Stunde die gesamte Pause kräftig zu lüften. Und auch während des Unterrichts sollten alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten alle Fenster und Türen geöffnet werden. Dadurch könnten Aerosole und die an ihnen haftenden Viren abgeleitet werden. Man habe darüber auch mit Kinderärzten und Lungenspezialistinnen beraten – und die Meinung sei einhellig: Selbst, wenn das bedeute, dass es in den Klassenzimmern 2 Grad Celsius kälter ist, würde das Immunsystem nicht, sondern im Gegenteil sogar noch gestärkt.

Schutz vor Corona: So lüften Sie richtig! 

Flächendeckende Schulschließungen wollen alle vermeiden

Der deutsche Lehrerverband hält dieses Konzept für völlig unzureichend. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes, erklärt in einem Gespräch mit RTL, dass dies ein Armutszeugnis der Politik sei: "Es ist erbärmlich, dass der Kultusministerkonferenz und den meisten Schulministerien zum Thema Aerosolbelastung nichts anderes einfällt, als regelmäßiges Stoßlüften", so Meidinger.

Das Problem liege tiefer. Denn viele Schulen, die das gerne machen würden, könnten dies gar nicht. Denn Fenster ließen sich oft genug gar nicht oder nicht weit genug öffnen. Meidinger fordert darüber hinaus für die Klassenzimmer CO2-Ampeln, die anzeigen, wie hoch die Aerosol-Belastung tatsächlich ist sowie Raumluft-Filteranlagen, die die Luft virenfrei halten können. Die Filteranlagen sind jedoch kostspielig, eine Einheit kostet über 2.000 Euro. Das könnten die Schulen alleine nicht stemmen. Hier sei die Politik gefordert - eine klare Botschaft an die Kultusministerkonferenz heute.

Flächendeckende Schulschließungen wollen Eltern und Lehrer auf jeden Fall vermeiden. Das gilt auch für die Kultusminister. In Berliner Regierungskreisen denkt man offenbar auch über alternative Unterrichtsmodelle nach, wie RTL erfuhr. Es wird demnach wohl überlegt, für ältere Schüler zum Beispiel Bürgerhäuser nutzen, bis zu 120 Schüler in einer Halle unterrichten, mit 1,50 Meter Abstand zueinander. So könnten dann Grundschüler in die freiwerdenden Räume ihrer Schule besser aufgeteilt werden.

Elternrat: Dürfen Zeit nicht weiter so "verdaddeln"

Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, hofft auf das Verantwortungsbewusstsein aller Beteiligten. Im RTL/ntv-Frühstart erklärte er, dass die Herausforderung nur gemeistert werden könne, wenn die Zeit nicht weiter so "verdaddelt" wird wie in den letzten sieben Monaten.

Die Kultusministerkonferenz ist also  gefordert.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.