Lübcke-Prozess:

Ex-Verteidiger von Hauptangeklagtem Stephan E. soll Geständnis erfunden haben

Prozess im Mordfall Lübcke
Prozess im Mordfall Lübcke
© dpa, Boris Roessler, brx sab

22. September 2020 - 13:52 Uhr

Ex-Anwalt von Stephan Ernst soll Geständnis erfunden haben

Der ehemalige Anwalt des mutmaßlichen Lübckemörders Stephan Ernst steht im Verdacht, Teile eines Geständnisses für Ernst erfunden zu haben. Der Dresdener Anwalt Frank Hannig wurde heute als Zeuge vor Gericht geladen. Dort nahm er jedoch von seinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch und äußerte sich nicht, aus Angst vor einer Strafverfolgung. Laut seines Rechtsanwaltes Alfred Dierlamm liege nämlich "ohne jeden Zweifel" eine Verfolgungsgefahr vor.

Die drei Geständnisse des Stephan Ernst

Insgesamt drei Geständnisse hatte Stephan Ernst, der Hauptangeklagte im Prozess um den Mordfall an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke, abgelegt. Sie alle unterscheiden sich in wesentlichen Punkten. Im ersten Geständnis gab Ernst zu, den tödlichen Schuss selbst abgefeuert zu haben, im zweiten habe sein Komplize Markus H. versehentlich gefeuert und im dritten Geständnis war Ernst wieder selbst der Schütze, H. soll ihn allerdings begleitet haben. Dass sie nicht alle drei Geständnisse der Wahrheit entsprechen können, ist also unumstritten.

Laut Ernsts aktuellem Verteidiger Mustafa Kaplan, habe Hannig Ernsts Aussagen bewusst manipuliert. Das Geständnis, in dem Markus H. als Schütze genannt wird, soll die Idee des Dresdener Pflichtverteidigers gewesen sein, so erklärte es Ernst. Nicht zuletzt deshalb entpflichtete Ernst seinen Verteidiger Hannig.

Die juristischen Konsequenzen für Hannig sind noch unklar. Allerdings sah auch das Oberlandesgericht ein, dass Hannig sich mit einer Aussage selbst belasten könnte.