"Ich werfe dein Handy aus dem Fenster und dich gleich hinterher"

Loverboy-Prozess in Berlin: Drei Frauen zur Prostitution gezwungen?

Die Angeklagten vor Prozessbeginn am Landgericht Berlin
© Heinz Kegl

18. Januar 2019 - 14:10 Uhr

Anklage gegen Michael B. und Mandy L.

Nur ein Auszug aus der Anklage, die vor dem Landgericht Berlin verhandelt wird: "Menschenhandel, Zwangsprostitution, Zuhälterei, Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung." Das ist ein Teil der Vorwürfe, denen sich Michael B. und Mandy L. im Prozess stellen müssen. Drei Frauen unter 21 Jahren soll der Hauptangeklagte eine Liebesbeziehung vorgespielt haben und sie zur Prostitution gezwungen haben. Die sogenannte Loverboy-Masche schildert die Anklageschrift ausführlich. Mandy L. soll den Angeklagten bei der Organisation der Prostitution unterstützt haben. Beide Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen, sie waren nicht bereit auszusagen.

Angeklagter zum Opfer: "Ich werde dich umbringen"

Der Angeklagte soll die Frauen im Alter von 17 bis 21 Jahren emotional von sich abhängig gemacht haben und sie dann zur Prostitution gebracht haben. Damit die Frauen nicht aus der Szene aussteigen oder sich der Polizei offenbaren, soll der 33-Jährige gewalttätig geworden sein und die Frauen bedroht haben. "Ich werfe dein Handy aus dem Fenster und dich gleich hinterher", soll Michael B. laut Staatsanwalt gesagt haben. "Ich werde dich umbringen", zitierte der Staatsanwalt den Angeklagten weiter.

Der 33-Jährige habe den Opfern der Zwangsprostitution das Geld vorenthalten und stattdessen seinen Lebensunterhalt von den Prostitutionseinnahmen bestritten. Von März 2016 bis Mai 2018 soll Michael B. einer Frau 20.441 Euro, einer zweiten 4.000 Euro und der Dritten 12.760 Euro abgenommen haben. Der mitangeklagten Mandy L. wird vorgeworfen, "hinsichtlich der Organisation der Prostitution bei zwei der Frauen geholfen zu haben."

Michael B. sitzt in Untersuchungshaft

Landgericht Berlin: Vorsitzender Richter eröffnet den Prozess wegen Zwangsprostitution gegen die beiden Angeklagten Michael B. und Mandy L.
Vor Gericht sagten zu Prozessbeginn keine Zeugen aus.
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Die Staatsanwaltschaft hat kein Strafmaß gefordert, die Verteidigung regte zum Prozessbeginn beim Vorsitzenden Richter eine Verständigung zwischen Gericht und Verteidigung an. Michael B. sitzt in Untersuchungshaft, Mandy L. ist auf freiem Fuß. Der nächste Verhandlungstermin ist der 2. Februar.