Achteinhalb Jahre nach der Katastrophe

Loveparade-Prozess: Staatsanwaltschaft stimmt Einstellung zu – aber drei Angeklagte wollen das gar nicht

Eine Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade-Katastrophe im Jahr 2010.
Eine Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade-Katastrophe im Jahr 2010.
© dpa, Marcel Kusch, mku cvi

05. Februar 2019 - 13:08 Uhr

Prozess muss wohl fortgesetzt werden

Der Strafprozess um die Loveparade-Katastrophe im Jahr 2010 könnte schon bald zu Ende sein, muss aber vermutlich doch fortgesetzt werden. Zwar hat die Staatsanwaltschaft dem Vorschlag des Gerichts, das Verfahren gegen alle zehn Angeklagten einzustellen, zugestimmt. Drei der Beschuldigten wollen das aber gar nicht - sondern den Prozess fortsetzten, bis ihre Unschuld bewiesen ist.

Angeklagter pocht darauf, unschuldig zu sein

Das Landgericht Duisburg hatte Mitte Januar vorgeschlagen, das Verfahren gegen sieben Angeklagte ohne und gegen drei weitere mit Auflagen einzustellen. Diese drei Angeklagten - alle Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent - lehnen dies allerdings ab.

Einer der drei hatte schon vergangene Woche erklärt, dass er einer Einstellung in keinem Fall zustimmen werde und eine Fortsetzung des Prozesses wünsche. Er wolle sich nicht "damit abfinden, für ein 'schnelles Ende' auf die Feststellung seiner Unschuld verzichtet zu haben", teilte dessen Anwalt laut "SZ"  mit. Nach der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft am Dienstag bestätigte er die Position seines Mandanten: "Es hat sich nichts geändert, es bleibt dabei."

Für einen weiteren Angeklagten sagte dessen Anwältin: "Er verzichtet nicht auf sein Recht, freigesprochen zu werden."

Wohl kein Urteil vor Eintritt der Verjährung

Der Prozess gegen die drei wird damit fortgesetzt. Denn ein Strafverfahren kann nur eingestellt werden, wenn Gericht, Staatsanwaltschaft und Angeklagter zustimmen. Gericht und Staatsanwaltschaft rechnen damit, dass wegen einer großen Anzahl noch zu vernehmender Zeugen kein Urteil vor Eintritt der Verjährung am 28. Juli 2020 mehr gesprochen werden kann.

Die sieben Angeklagten, die keine Auflagen erhalten sollen, haben der Einstellung des Verfahrens hingegen zugestimmt. Es handelt sich um die sechs angeklagten Mitarbeiter der Stadt Duisburg sowie einen Mitarbeiter des Veranstalters. Schon am Mittwoch könnte das Gericht die einzelnen Verfahren vom Prozess abtrennen und einstellen.

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Bei der Loveparade 2010 in Duisburg starben 21 junge Menschen.
Bei der Loveparade 2010 in Duisburg starben in einem Gedränge 21 junge Menschen.
© dpa, Erik Wiffers, fre mhe gfh

Der Prozess begann im Dezember 2017. Den Angeklagten wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen. Bei der Loveparade im Juli 2010 in Duisburg waren in einem Gedränge 21 junge Menschen zu Tode gedrückt und mehr als 650 verletzt worden.