Loveparade-Prozess: Veranstalter Rainer Schaller übernimmt "moralische Verantwortung"

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22. Mai 2018 - 14:20 Uhr

Fortsetzung des Loveparade-Prozesses in Düsseldorf

Mit der Vernehmung des Veranstalters der Techno-Parade Rainer Schaller geht der Prozess um das Duisburger Unglück weiter. Vor der Befragung des Richters wendet sich der Loveparade-Organisator Schaller an die Angehörigen.

"Es ist selbstverständlich, dass ich die moralische Verantwortung übernehme"

ARCHIV - 24.07.2010, Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Tausende Raver drängen sich auf der Loveparade in und vor dem Tunnel in Duisburg (Nordrhein-Westfalen), in dem sich eine Massenpanik ereignet hat.  (zu dpa: "Bloß keine Details: Der Oberbürgermeiste
Loveparade-Katastrophe: Eine Massenpanik bricht aus, 21 Menschen sterben, viele werden verletzt.
© dpa, Erik Wiffers, fre mhe gfh

Er sei sehr froh darüber, dass der Prozess "endlich begonnen" habe, sagte Schaller vor Prozessbeginn zur Presse. Er glaube auch, es sei für die Verletzten und Angehörigen wichtig zu erfahren, was in Duisburg 2010 tatsächlich passiert sei. Die Loveparade sei keine Naturkatastrophe, die Menschen hätten Fehler gemacht. Er wolle als Zeuge vor Gericht alles tun, um einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten.

Doch bevor Schaller sich den Fragen des Richters stellte, richtete er seine Worte an die Angehörigen und Opfer. Alles Leid, das die Angehörigen erlebten, "ist auf meiner Veranstaltung passiert (...) Es ist selbstverständlich, dass ich die moralische Verantwortung übernehme", bekräftigte Schaller. Er hoffe, dass der Prozess Aufklärung bringe.

Was der Loveparade-Veranstalter noch sagte, hat RTL-Reporter Uli Klose live im Gerichtsaal beobachtet (siehe Video). Schaller muss sich drei Tage lang vor Gericht in Düsseldorf erklären. Wie ist es 2010 zu der Katastrophe gekommen, bei der 21 Menschen starben und mindestens 652 verletzt wurden?

Es heißt, Veranstalter Schaller hätte für die Parade eine Million Euro sparen müssen. Der Verdacht liege nahe, so Prozessbeobachter, er habe an den Sicherheitsvorkehrungen gespart. Viele kritisieren, dass der 49-Jährige selbst nicht auf der Anklagebank sitzt. Der Grund dafür: Schaller kann nicht nachgewiesen werden, dass er in das operative Planungsgeschäft der Technoparade involviert war.

Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sind insgesamt zehn Personen: Sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters. Mit ihnen Aussagen hat der Prozess im Dezember 2017 begonnen. Das Gericht will klären, wer für die fehlerhafte Planung der Veranstaltung verantwortlich war. Der Vorwurf: Verlässige Tötung. Bisher haben zudem auch der ehemalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Verletzte und Gerichtsmediziner ausgesagt.

Opfer und Hinterbliebene mussten sieben Jahre auf den Prozessbeginn warten. Die Hauptakte ist über 53.000 Seiten lang und die Zeit wird knapp. Im Sommer 2020, also zehn Jahre nach dem Unglück, verjähren die Taten.