Londoner Angreifer war polizeibekannt - Dritter Attentäter ein Italiener marokkanischer Abstammung

06. Juni 2017 - 13:36 Uhr

Einer der Attentäter wurde trotzdem nicht stärker kontrolliert

Die Attentäter von London waren polizeibekannt. Dennoch durften sie ihr schreckliches Werk vollenden. Nun wird die Kritik an den britischen Behörden immer lauter. Indes identifizierte die Polizei auch den dritten Attentäter. Medienberichten zufolge handelt es sich um Youssef Zaghba, einen Italiener marokkanischer Herkunft, wie 'Sky News' berichtet.

Attentäter wurde "nachrangig" eingestuft

Londoner Angreifer war polizeibekannt - Dritter Attentäter ein Italiener marokkanischer Abstammung
Youssef Zaghba, 22, ein Italiener marokkanischer Abstammung, ist laut 'Sky' der dritte Attentäter von London.
© REUTERS, HANDOUT, AW

Geboren wurde er offenbar in Fez in Marokko als Sohn einer Italienerin und eines Marokkaners. Dies berichtet die italienische Zeitung 'Corriere della Sera'. Demnach habe er nach Syrien ausreisen wollen, sei aber am Flughafen Bologna gestoppt worden. Er war somit als Gefährder bekannt.

Auch Khuram Shazad Butt war den Sicherheitsbehörden bekannt. Trotz seiner seiner radikalen Haltung wurde der mutmaßliche Attentäter nicht stärker kontrolliert. Butt hatte in einer 2016 ausgestrahlten TV-Dokumentation ('The Jihadi Next Door') unter anderem mit einer Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) posiert. Großbritanniens Anti-Terror-Chef Mark Rowley teilte mit, der Mann sei damals überprüft worden.

Die Behörden hätten aber keine Belege gefunden, dass er einen Anschlag plane. Daher sei der in Pakistan geborene Brite, der dem Inlandsgeheimdienst MI5 und der Polizei bekannt war, nachrangig eingestuft worden. Trotz seiner Verbindungen zu radikalen Islamisten arbeitete Butt von Mai bis Oktober 2016 für die Londoner U-Bahn. Die Zeitung 'The Times' berichtete am Dienstag, Butt habe Verbindungen zu einem der Attentäter des Londoner Terroranschlags vom 7. Juli 2005, bei dem Dutzende Menschen getötet worden waren, sowie zu einem bekannten Hassprediger gehabt.

Der 27-Jährige war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er lebte im Ostlondoner Stadtteil Barking, wie auch der zweite mutmaßliche Attentäter Rachid Redouane. Der 30-Jährige aus Marokko hatte eine kleine Tochter mit einer 38-jährigen Frau, die unterschiedlichen Berichten zufolge entweder aus Irland oder aus Schottland stammt. Er war der Polizei offenbar nicht bekannt. Zum dritten Angreifer, der an dem Anschlag am Samstagabend mit mindestens sieben Toten und Dutzenden Verletzten beteiligt war, sind bisher noch keine Details veröffentlicht worden.

In Pakistan nimmt die Polizei die Verwandten eines der Attentäter ins Visier. Dutzende Sicherheitskräfte in zivil durchsuchten einem Bericht der Zeitung 'The Telegraph' zufolge am Dienstag ein Restaurant, das einem Verwandten von Khuram Butt gehört. Der Einsatz erfolgte in der Stadt Jhelam, etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Islamabad. Zwar gingen die britischen Sicherheitsbehörden davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter sich in Großbritannien radikalisiert habe. "Aber wir durchsuchen die Häuser aller Verwandten und verfolgen alle Telefonanrufe, die von Familienmitgliedern gemacht wurden", sagte der Sicherheitsbeamte. Die pakistanischen Behörden gingen davon aus, dass Butt in Syrien als Attentäter ausgebildet wurde, sagte er. Butt war 1990 in Pakistan geboren worden und als Kind mit seinen Eltern nach Großbritannien gekommen.

Zwölf Verdächtige ohne Anklage wieder frei

Im Stadtteil Barking hatte die Polizei bei Durchsuchungen am Sonntag und Montag insgesamt zwölf Menschen festgenommen, sieben Frauen und fünf Männer. Zudem hatten Polizisten sechs Objekte durchsucht. Die drei Angreifer waren nach ihrer Tat von der Polizei erschossen worden.

Die Polizei ließ alle im Zusammenhang mit dem Terroranschlag Festgenommenen jedoch inzwischen wieder frei. Sie seien alle ohne Anklage entlassen worden, teilte die Polizei am späten Montagabend mit. Zudem kümmerten sich Experten um die Hinterbliebenen der Todesopfer. Sie sorgten sich auch um die Familie einer Person, die als vermisst gilt.