Familie und Freunde nehmen Abschied von Saskia (†23) und Jack (†25)

Terror-Opfer von London: "Jack hätte nicht gewollt, dass sein Tod missbraucht wird"

© Metropolitan Police

3. Dezember 2019 - 10:03 Uhr

London: Jacks Vater will nicht, dass sein Sohn instrumentalisiert wird

Saskia Jones und Jack Merritt setzten sich für die Resozialisierung von Häftlingen ein, beide glaubten an Wiedergutmachung statt Rache - beide starben durch die Hand des verurteilten Terroristen Usman Khan. Freunde und Familie nehmen Abschied von zwei besonderen Menschen - und Jacks Vater hat eine wichtige Botschaft an die Öffentlichkeit.

Usman Khan wurde vorzeitig aus Haft entlassen

Am Nachmittag gegen 14 Uhr Ortszeit drehte Usman durch, präsentierte einen unechten Sprengstoffgürtel, stach mit einem Messer auf Passanten ein. Wenige Minuten später konnte der Angriff auf der London Bridge gestoppt, Usman niedergestreckt werden. Videoaufnahmen zeigen Passanten, die den Attentäter von London mit allem, was sie zu fassen kriegen, bekämpfen - einer von ihnen war, wie sich später herausstellte, ein verurteilter Frauenmörder. Die Zivilisten haben mit ihrem Eingreifen Schlimmeres verhindert.

Doch für Saskia Jones und Jack Merritt kam die Hilfe zu spät. Sie hatten bei der Konferenz zum Thema Resozialisierung der Universität Cambridge in der Fishmonger's Hall (der alten Gilde-Halle der Londoner Fischhändler) gearbeitet. Sie als freiwillige Helferin, er als Koordinator. Ihr späterer Mörder Usman war als Teilnehmer geladen. Im Dezember 2018 war er vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen eines geplanten Anschlags auf die Londoner Börse eingesessen hatte.

Premierminister Boris Johnson fordert härtere Strafen

Premierminister Boris Johnson forderte nach der Messerattacke härtere Strafen für Schwer- und Gewaltverbrecher und sprach sich gegen vorzeitige Haftentlassungen aus. Doch David Merritt macht in einem Tweet klar, dass sein Sohn dagegen gewesen wäre. "Mein Sohn Jack, der bei dieser Attacke getötet wurde, hätte nicht gewollt, dass sein Tod für unnötige drakonische Strafen für Gefängnisinsassen missbraucht wird."

Zeitlebens habe sich Jack gegen Ungerechtigkeit eingesetzt, Weggefährten beschreiben den jungen Mann als "Anwalt für Resozialisierung". Er habe sich für radikale Reformen im Justizsystem stark gemacht und an "Wiedergutmachung und Rehabilitation geglaubt, nicht an Rache und er stellte sich immer auf die Seite des Schwächeren", schrieb seine Familie in einer Stellungnahme.

Der 25-Jährige hatte 2017 seinen Master-Abschluss am Institut für Kriminologie der Uni Cambridge gemacht, war Kurskoordinator von "Learning Together", einem Rehabilitationsprogramm für Gefangene. Auch das zweite Opfer des Londoner Attentäters war Cambridge-Absolventin und engagierte sich in diesem Programm.

Saskia Jones hatte sich gerade bei der Polizei beworben

"Saskia war lustig und freundlich, ein positiver Einfuss auf das Leben vieler Menschen", heißt es in einem Statement der Familie Jones. Sie habe immer das Beste in allen Menschen sehen wollen und "hatte eine große Leidenschaft dafür, Opfer von Ungerechtigkeit im Justizsystem zu unterstützen". Dieser Idealismus sei auch der Grund dafür gewesen, dass sich die 23-Jährige kürzlich bei der Polizei um die Aufnahme in ein Programm beworben habe, das sich auf die Unterstützung von Opfern spezialisiert hat.

Saskia und Jack. Zwei junge Menschen mit Prinzipien, die sich mit Kraft und Engagement für Resozialisierung und gegen Ungerechtigkeit eingesetzt haben.

Vor einigen Jahren twitterte Merritt: "Es sind nicht die Flüchtlinge, die Terrorismus erzeugen. Es sind Terror, Tyrannei und Krieg, die Flüchtlinge produzieren."

Einer der Helden von London berichtet