Es sollen Tränen geflossen sein

Deutsche-Bank-Mitarbeiter packen ihre Sachen

© REUTERS, SIMON DAWSON, PAS

10. Juli 2019 - 9:01 Uhr

Pizza bestellt, Umarmungen zum Abschied

Die Bilder zeigen das ganze Drama: In London packen die ersten Mitarbeiter der Deutschen Bank ihre Sachen. Sie tragen Kartons aus dem Gebäude, darin ihre sieben Sachen. Denn gebraucht werden diese Angestellten nicht mehr. Man sieht wie Menschen sich umarmen - oder stapelweise Pizzakartons anliefern lassen. Frustessen am letzten Tag? Grund genug haben die Mitarbeiter. 18.000 Mitarbeiter müssen sich weltweit etwas Neues suchen, allein in London – die Finanzhauptstadt Europas – sind es 3.000. Manche sollen geweint haben. Bislang hatte das Haus dort 8.000 Mitarbeiter.

"Die Stimmung ist ziemlich düster"

In Asien begann die Kündigungswelle an diesem Morgen, in Hongkong und Singapur wurden ganze Teams vor die Tür gesetzt. "Die halbe Etage ist weg und die anderen warten nur darauf, dass sie einbestellt werden", sagte ein Aktienhändler in Hongkong. Er sei zusammen mit anderen gekündigten Kollegen direkt aus dem Gebäude geführt worden.

"Die Stimmung ist ziemlich düster. Einer nach dem anderen wird in einen Konferenzraum gebeten, bekommt nach Gesprächen mit Personalern einen Umschlag gereicht und muss dann das Gebäude verlassen", sagte ein Aktienhändler, der seit sechs Jahren für das Geldhaus arbeitet.

"Schmerzhaft, aber unvermeidbar"

Die Deutsche Bank hatte am Sonntag den Abbau von weltweit 18.000 Jobs verkündet - jede fünfte Stelle fällt weg. "Das ist schmerzhaft, aber unvermeidbar, um den langfristigen Erfolg der Deutschen Bank sicherzustellen", verteidigte Konzernchef Christian Sewing die Pläne. Aus dem Aktienhandel will er komplett aussteigen, auch der Anleihehandel - lange Zeit das Aushängeschild der Deutschen Bank - muss abspecken. Sewing wollte sich nicht zu Details der Stellenstreichungen äußern. Auch Deutschland dürfte nicht ungeschoren davonkommen.

Mit dem Umbau will der 49-Jährige die jahrelange Talfahrt der Deutschen Bank stoppen. Seine Vorgänger - Josef Ackermann, Anshu Jain, Jürgen Fitschen, John Cryan und auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner - scheuten tiefe Einschnitte im Investmentbanking. Sewing, seit 15 Monaten im Amt, hat sich nun, für viele Beobachter durchaus überraschend, unerwartet schnell emanzipiert und fährt eine harte Linie.