Lohnlücken-Hammer in Deutschland

Frauen verdienen erst in 100 Jahren so viel wie Männer

Die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männer sind vor allem in Deutschland noch immer sehr groß.
© iStockphoto, ALIHAN

06. Oktober 2020 - 9:43 Uhr

Gender Pay Gap wird nur gaaaanz langsam überwunden

Die Lohnlücke zwischen dem Verdienst von Frauen und Männern ist in vielen Berufen ein Ärgernis und sollte eigentlich zügig behoben werden. Doch laut neuen Berechnungen soll es allein Deutschland über 100 Jahre dauern, bis der sogenannte "Gender Pay Gap" überwunden ist.

In Frankreich würden 1000 Jahre vergehen, bis ungleiche Bezahlung zwischen Geschlechtern endet

Wann die ungleiche Bezahlung zwischen den Geschlechtern bei gleich bleibender Entwicklung in den einzelnen EU-Staaten endet, variiert Berechnungen des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) zufolge zum Teil deutlich. In Deutschland müssten Frauen noch 101 Jahre warten - also bis zum Jahr 2121 -, um so viel zu verdienen wie Männer. Auch in Tschechien würde es so lange dauern. In Frankreich würden sogar mehr als 1000 Jahre vergehen.

Im vergangenen Jahr lag in Deutschland der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 Euro 20 Prozent unter dem von Männern mit 22,61 Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Damit hat Deutschland eine der höchsten Gender Pay Gaps der EU. 2018 hatte der Unterschied 21 Prozent betragen, und 2014 waren es 22 Prozent. Laut einer aktuellen Studie verdienen Frauen über das gesamte Berufsleben verteilt sogar nur halb so viel wie Männer.

Der Gewerkschaftsbund beruft sich für seine Berechnung auf Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. Demnach hat sich die Lohnlücke in den vergangenen acht Jahren im EU-Durchschnitt lediglich um einen Prozentpunkt geschlossen. In Frankreich waren es sogar nur 0,1.

Erst drei EU-Staaten könnten Lohnunterschied bis zum Ende des Jahrzehnts angleichen

In drei EU-Staaten könnte der Lohnunterschied beim fortlaufenden Trend auch schon bis zum Ende dieses Jahrzehnts angeglichen sein. Dazu zählen Rumänien (bis 2022), Luxemburg (bis 2027) und Belgien (bis 2028). In neun EU-Ländern, darunter etwa Dänemark, Italien und Österreich, würde sich die Lohnlücke erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts schließen. In weiteren neun Staaten ist eine Angleichung noch nicht abzuschätzen, da dort die Verdienst-Spanne weiter auseinander driftet. Dazu zählen etwa Irland, Polen und Portugal.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte bei ihrem Antritt im vergangenen Jahr Geschlechtergerechtigkeit zu einem wichtigen Thema ausgerufen und angekündigt, verbindliche Transparenzmaßnahmen für Löhne vorzulegen.

Der Gewerkschaftsbund kritisierte, dass es dabei bislang kaum Bewegung gegeben habe. "Wir fordern die Kommissionspräsidentin nachdrücklich auf, Kommissarin Dalli zu unterstützen und die Maßnahmen zur Transparenz der Löhne zu priorisieren", teilte die stellvertretende EGB-Generalsekretärin, Esther Lynch, mit. Dies sei dringend erforderlich, um Fortschritte bei der Gleichstellung zu erzielen.

Noch mehr Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auch bei Stern Plus.

Quelle: DPA / RTL.de