Tiergarten Nürnberg: „Wir stehen vor einem ethischen Dilemma“

Löwe „Subali“ vielleicht unfruchtbar - wird er jetzt eingeschläfert?

Löwenmännchen Subali im Nürnberger Tiergarten
© dpa, Jörg Beckmann, sja tba

29. Oktober 2020 - 13:55 Uhr

Seit zwei Jahren vergebliches Warten auf Löwen-Nachwuchs

Muss "Subali" sterben, weil er keine Löwenbabys zeugen kann? Der möglicherweise unfruchtbare Löwe bereitet dem Nürnberger Tiergarten Probleme, nun wird sogar über die Tötung des Löwenmännchens nachgedacht. "Wir stehen hier vor einem ethischen Dilemma", sagte Zoodirektor Dag Encke.

Weibchen „Aarany“ ist jünger und „genetisch sehr wertvoll“

"Die Frage ist: Was machen wir, wenn ein Tier nicht zeugungsfähig ist", so Encke. Dies diskutierte er in einem Podcast der Nürnberger Nachrichten.

Seit August 2018 lebt das Löwen-Pärchen zusammen im Tiergarten. Nun soll untersucht werden, ob eines der Tiere unfruchtbar ist. Weil das Weibchen "Aarany" viel jünger und "genetisch sehr wertvoll" ist, wird vermutet, dass das 14-jährige Männchen steril ist.

"Wir müssen die romantische Vorstellung verlassen, dass Lebensraum selbstregulierend ist“

Dr. Dag Encke (Leiter Tiergarten Nuernberg ), Themenfoto: Tiergarten Nuernberg, Tiergarten Eroeffnung, Corona Virus, Covid-19, Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto | Verwendung weltweit
Dr. Dag Encke. Leiter des Nürnberger Tiergartens
© picture alliance / Eibner-Presse, Thomas Hahn /Eibner-Pressefoto

Der Experte betonte, dass es die Aufgabe von Zoos sei, den Fortbestand von Arten zu sichern. Weil der Platz begrenzt sei, befinde man sich in einem Dilemma, sobald ein Tier unfruchtbar ist. Zwar sei eine Vermittlung des Löwen in einen anderen Zoo möglich. Es sei allerdings fraglich, welcher Tierpark Platz für einen alten und sterilen Löwen habe. "Es ist nicht nur angenehm, im Artenschutz zu arbeiten und wir müssen die romantische Vorstellung verlassen, dass Lebensraum selbstregulierend ist", so Encke.

Wann und ob "Subali" getötet werden soll, ist unklar. "Für die Fragen des Populationsmanagements nehmen wir uns Jahre Zeit", erklärte der Zoodirektor. Im ersten Schritt werde die Zeugungsfähigkeit geklärt. Später seien mehrere Gremien an der Entscheidung beteiligt, beispielsweise sei ein einstimmiger Beschluss der Tierschutzkommission für eine Tötung notwendig.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Meldung Schlagzeilen gemacht, dass der Zoo in Kopenhagen Wölfe und einen Bären töten ließ, da für die Tier im Zoo kein Platz mehr sei und man sie aufgrund ihres Alters nicht mehr vermitteln könne.