LKW rast in Berliner Weihnachtsmarkt: Mindestens neun Tote - ein Tatverdächtiger ist tot

20. Dezember 2016 - 8:23 Uhr

"Ein abscheulicher Anschlag"

Auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin ist am Abend des 19.12.2016 nach Polizeiangaben vermutlich ein Anschlag mit einem Lastwagen verübt worden. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde ein Tatverdächtiger in Berlin festgenommen. In dem LKW saßen offenbar zwei Täter. Der festgenommene Tatverdächtige war offenbar der Fahrer des LKWs. Laut Polizei ist der Beifahrer tot. Über die Todesursache des Mannes, der im Führerhaus des Lastwagens saß, ist laut Polizei zunächst nichts bekannt. Ebenso über die genauen Hintergründe.

Die Polizei prüfe gerade, ob der LKW, der ein polnisches Kennzeichen hat, gestohlen wurde und der eigentliche Fahrer der getötete Beifahrer des Wagens ist. In einem Interview mit dem polnischen Sender 'TVN24' sagte die Frau des LKW-Fahrers, dass sie seit 16 Uhr nichts mehr von ihrem Mann gehört habe.

Der LKW gehört dem polnischen Spediteur Ariel Zurawski aus Gryfino. Er berichtete dem TV-Sender 'TVN24', dass der Sattelschlepper normalerweise von seinem Cousin gefahren werde. Mit ihm habe er noch um 12 Uhr Mittag gesprochen. Der LKW sollte in Berlin entladen werden, dazu kam es jedoch nicht.

Der LKW ist auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in eine Menschenmenge gefahren. Dabei sind nach Angaben der Feuerwehr mindestens neun Menschen getötet worden. Daneben gebe es mindestens 50 Verletzte, wie ein Feuerwehr-Sprecher sagte. Der Weihnachtsmarkt wurde umgehend geräumt.

Die Berliner Polizei hat die Bevölkerung aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Das teilte sie über Twitter mit. Man arbeite auf Hochtouren, hieß es weiter.

Bundesjustizminister Heiko Maas teilte über Twitter mit, dass der Generalbundesanwalt Peter Frank die Ermittlungen in dem Fall übernimmt.

Bundesminister Christian Schmidt hat sich bereits zu dem fürchterlichen Anschlag gemeldet: "Ein abscheulicher Anschlag reißt uns heute Abend aus der friedlichen Vorweihnachtsstimmung. Unsere Gefühle und Gedanken sind bei den Toten, ihren Angehörigen und den Verletzten. Gott hat uns gegeben keinen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Und eines ist für mich völlig klar: Auch den Geist der Entschlossenheit brauchen wir. Keine Zurückhaltung bei rechtsstaatlicher Bekämpfung des Terrors, sondern entschlossener Einsatz. Alle politischen Verantwortungsträger sind aufgefordert, die Realität der Gefährdung anzunehmen. Jetzt ist die Stunde der nationalen und internationalen Einheit."

Ein dpa-Fotograf berichtete von Polizisten mit Maschinenpistolen am Löwentor des Zoos. Ein Täter sei flüchtig, hieß es von einem Beamten. Mehrere Polizei-Fahrzeuge fuhren in Richtung Mitte.

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für diesen Anschlag hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen.