Babys an Ulmer Klinik vergiftet?

Staatsanwaltschaft räumt Ermittlungspanne ein - Krankenschwester wieder auf freiem Fuß

06. Februar 2020 - 13:58 Uhr

Morphin-Vergiftungen Klinik in Ulm: Proben fälschlicherweise positiv auf Medikament getestet

Nachdem eine Ulmer Krankenschwester gestern aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, hat die Staatsanwaltschaft jetzt weitere Details im Fall der vergifteten Säuglinge bekanntgegeben - und eine Ermittlungspanne beim LKA Baden-Württemberg eingeräumt. Muttermilchproben, die in einer Spritze im Spind der betroffenen Frau gefunden worden waren, seien im Labor fälschlicherweise positiv auf Morphin getestet worden, so ein Sprecher auf einer Pressekonferenz.

Fehler beim LKA Baden-Württemberg sorgte offenbar für falschen Verdacht

Eine zweite Analyse der Proben in einem anderen Labor habe ergeben, dass offenbar das für die erste Analyse verwendete Lösungsmittel fälschlicherweise den positiven Test auf Morphin ausgelöst habe. Wie es zu diesem Fehler beim LKA in Baden-Württemberg kommen konnte, werde jetzt weiter untersucht.

Auch an der Morphinflasche, aus der das bei der Vergiftung der Babys verwendete Medikament mutmaßlich stammt, wurden keine DNA-Spuren der Krankenschwester gefunden. Deshalb wurde die Frau wieder freigelassen und der Haftbefehl ausgesetzt. Sie hatte die Vorwürfe stets bestritten und behauptet, die Spritze mit der Muttermilch lediglich bei einer Fütterung vergessen zu haben. Staatsanwalt Christof Lehr entschuldigte sich bei Frau für den falschen Verdacht.

Frühchen in Ulmer Klinik vergiftet? Frühchen nach Atemnot schnell außer Gefahr

Die Krankenschwester war am vergangenen Mittwoch wegen des Verdachts des versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft genommen worden.

Wie es zu den Vorfällen an der Ulmer Kinderklinik kommen konnte, ist nach der Entlastung der Frau weiter unklar. Die Ermittlungen hätten sich wegen der kurzen Wirkzeit des Medikaments bislang auf eine bestimmte Nachtschicht konzentriert, in der sechs Schwestern anwesend waren - auch die Frau, die jetzt aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Alle Mitarbeiterinnen, die zur Tatzeit im Dienst waren, bestreiten laut Staatsanwaltschaft, etwas mit der Vergiftung der Babys zu tun zu haben.

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ARCHIV - 30.01.2020, Baden-Württemberg, Ulm: Blick auf das Gebäude der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm. Es schien ein schreckliches Verbrechen: Eine Kinderkrankenschwester soll Babys mit Morphium vergiftetet haben.
Universitätsklinik Ulm - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
© dpa, Christoph Schmidt, cdt bwe

Mehrere Säuglinge wegen Morphin-Vergiftung in Lebensgefahr

Im Ulmer Klinikum waren im Dezember mehrere Säuglinge wegen lebensbedrohlicher akuter Atemnot behandelt worden. Sie waren nach zwei Tagen wieder außer Gefahr. Erst mehrere Wochen nach den Notfällen hatten rechtsmedizinische Untersuchungen eine Morphin-Vergiftung als Ursache ergeben.