Kommentar zum Liverpool-Titel

Jürgen Klopp ist im Olymp angekommen

26. Juni 2020 - 8:33 Uhr

Jürgen Klopp und der FC Liverpool feiern

Jürgen Klopp hat es geschafft. Er hat den FC Liverpool als Trainer zur ersehnten Meisterschaft in der Premier League geführt. Es ist der erste Titel seit 30 Jahren für die "Reds". Klopp ist damit endgültig im Trainer-Olymp angekommen.

Ein Kommentar von Klaus Jakob

Es ist eigentlich nicht sein Spielraum. Jürgen Klopp explodiert am liebsten am Spielfeldrand. Jetzt ist es woanders geschehen. Weil Verfolger Manchester City dem FC Chelsea unterlag, steht Liverpool als Meister fest. Die Meisterschaft feiert Liverpool also auf dem Sofa.

Jürgen Norbert Klopp, Spitzname "Kloppo", erlebt in der Arbeiterstadt Liverpool großen Erfolg. Bereits 2019 holte er mit den "Reds" den Champions-League-Titel und wurde vom Weltfußball-Verband FIFA zum Welttrainer gekrönt. Dafür wurde er verbal weltweit geadelt – nun noch das Königshäubchen in der Premier League.

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Der Verein wird ihn dafür bestimmt zum Ritter schlagen. Ein Denkmal von ihm steht schon in Dortmund – und zwar in den schwarz-gelben Herzen der Borussen. Den Club führte der Menschenfänger - wie ihn Sportdirektor Michael Zorc nannte - heraus aus der Mittelmäßigkeit in eine neue, unvergessliche Ära mit insgesamt fünf Titeln, darunter zwei Deutsche Meisterschaften. Damals hatte Bayern München im nationalen Machtduell mit Dortmund das Nachsehen. Wie gut das allen tat.

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Klopp, der Magier

Hat der gebürtige Schwabe Zauberkräfte oder das Glück des Tüchtigen gepachtet? Seine wohl wichtigsten Schlüssel zum Erfolg sind diese: die Authentizität, seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern; die Gabe, auch in Krisen Ruhe zu bewahren und schließlich seine Spielidee. Mit Vollgas und attraktivem Kombinations-Fußball hat er Erfolg und begeistert die Fans.

Klopp stahl seiner Mannschaft oft die Show. Fast jede Pressekonferenz in Dortmund oder England wurde zur One-Man Show. Das war und ist für die Medien eine Riesensache. Seine Sprüche füllen Blätter und machen aus TV-Beiträgen Unterhaltung pur.

Aber der 53-Jährige kann auch anders. In der Saison 2014/15 stürzte er mit Dortmund tief. Nach dem 19. Spieltag standen die Borussen ganz unten in der Tabelle. In dieser Zeit hatte Klopp keine Zeit für Späßchen. Er raunte so manchen Journalisten an. Das tut er auch in Liverpool noch. Weil er ist, wie er ist. Die Dinge müssen raus und gesagt werden. Da verstellt er sich nicht. Aber Mr. Klopp ist einer, der sich auch entschuldigt, wenn er über das Ziel hinausschießt.

So feiert Liverpool

Die Familie gibt ihm Halt

Seine Frau Ulla bleibt unaufgeregt im Hintergrund, damit ihr Jürgen den Kopf frei hat für seine sportlichen Heldentaten. Ein Dream-Team also. Er widmete seiner Frau 2019 die Goldmedaille für den Sieg in der Königsklasse .

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Klopp sagte kürzlich, anlässlich einer Tagung in der DFB-Akademie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: "Es gibt schlimmere Dinge im Leben, als nicht Meister zu werden. Das Wichtigste im Moment ist der Umgang mit dieser Krise." Damit trifft er nachhaltig den Puls der Zeit.

RTL-Reporter berichtet aus Liverpool: "Ein gewaltiger Ausbruch der Freude"

Klopp im Olymp

Jürgen Klopp ist im Olymp der weltbesten Trainer angekommen. In Liverpool dürfen zwar erst wieder am 4. Juli die geliebten Pints in den Pubs getrunken werden. Aber sie werden ihre Helden so oder so gebührend feiern. Wie damals die Beatles, die Liverpool weltberühmt machten. Und Jürgen Klopp wirkt so ein bisschen wie der auferstandene John Lennon.

Klopp geht wie Lennon als Künstler seiner Zeit in die Geschichte ein.

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