Literaturnobelpreis wird 2018 nicht vergeben - Belästigungsskandal schlägt hohe Wellen

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4. Mai 2018 - 11:59 Uhr

Zuletzt wurde der Literaturnobelpreis wegen des Zweiten Weltkriegs abgesagt

Die Schwedische Akadiemie hat sich entschieden: In diesem Jahr wird kein Literaturnobelpreis verliehen. Stattdessen soll bei der Preisverleihung 2019 der Gewinner von 2018 mitverkündet werden. Das Gremium sieht sich nach einem Belästigungs- und Korruptionsskandal außer Stande, den Preis zu verleihen. Dass die Verleihung des renommierten Literaturpreises abgesagt wird, ist zum letzten Mal zwischen 1940 und 1943 passiert. Damals war der Zweite Weltkrieg der Grund.

Sogar Kronprinzessin Victoria soll begrapscht worden sein

Dieses Mal ist ein Skandal schuld, der die Schwedische Nobel-Akademie in eine tiefe Krise gestürzt hat. "Das Ansehen des Literaturnobelpreises hat großen Schaden genommen", erklärte das Gremium, das die Preise vergibt. 18 Frauen hatten dem Mann eines Akademiemitglieds sexuelle Belästigung vorgeworfen. Eine Untersuchung bestätigte "unakzeptables Verhalten in Form von unerwünschter Intimität". Nach Berichten schwedischer Medien soll der Mann sogar Kronprinzessin Victoria an den Po gefasst haben.

Außerdem soll seine Frau über Fördergelder für den eigenen Kulturverein mitentschieden haben. Mehrere Jurymitglieder legten ihre Arbeit nieder, weil sie nicht damit einverstanden waren, wie glimpflich das Paar davonkommen sollte. Auch die ständige Sekretärin Sara Danius musste ihren Posten aufgeben. Aktuell sind damit nur noch zehn der eigentlich vorgesehenen 18 Mitglieder im Gremium aktiv.

Vertrauen in schwedische Akademie soll erst wiederhergestellt werden

Weil die Literaturnobelpreis-Jury nicht mehr vollständig ist, soll die Preisverleihung nun verschoben werden. Die Fähigkeit der Akademie, ihre "wichtigen Aufgaben zu erfüllen", sei ernsthaft gefährdet, erklärte auch das schwedische Königshaus. "Wir halten es für nötig, Zeit zu investieren, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Akademie wiederherzustellen, bevor der nächste Preisträger verkündet werden kann", erklärte der Interims-Vorsitzende Anders Olsson.

Die Arbeit an der Auswahl des Preisträgers sei zwar bereits weit fortgeschritten und werde in den kommenden Monaten auch weitergehen, teilte die Akademie nun mit. Man wolle aber mehr Mitglieder an der Entscheidung beteiligen und Vertrauen zurückgewinnen, bevor ein Preisträger genannt werde.

Die anderen Nobelpreise sollen wie geplant vergeben werden. "Nichts davon beeinflusst die Verleihung der Nobelpreise in anderen Kategorien", betonte die Nobelstiftung. Die wissenschaftlichen Nobelpreise in Medizin, Physik und Chemie werden von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergeben, der Friedensnobelpreis von einem Komitee in Norwegen.


Quelle: DPA; RTL.de