Mein erster Halbmarathon: Der große Tag ist endlich da!

Zwischen Gänsehaut, Gehpausen und Glücksgefühlen

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15. Oktober 2019 - 15:09 Uhr

Von Lisa Uriel

Ich starre auf das Flatterband vor mir. Und bin tierisch aufgeregt. Die ersten Halbmarathonis – ich gehöre jetzt auch dazu – sind schon gestartet. Unglaublich, aber gleich geht es wirklich los! Ein halbes Jahr lang habe ich trainiert, geschwitzt, gelitten, mich über jeden gelaufenen Kilometer gefreut. Alles für diesen einen Moment. Okay, eher für die nächsten zwei Stunden. Denn so lange werde ich mindestens brauchen, bis ich nach 21,1 Kilometern im Ziel am Kölner Dom ankomme, das ist klar. Ich drehe mich nervös um, hinter mir steht eine junge Frau, die mir nett zulächelt. Ich grinse schief zurück. Ob es ihr genauso geht?

Ich versuche, meine Geschwindigkeit zu finden

Dann brüllt der Moderator durch sein Mikro: "Gruppe Lila, seid ihr bereit?" Lila ist die Farbe meiner Startnummer. Bedeutet: Ich gehöre zu den langsamsten Läufern. Aber immerhin stehe ich in der ersten Reihe meines Startblocks! 3,2,… Ich aktiviere meine Pulsuhr. 1! Und laufe los. Bloß nicht zu schnell, das haben mir alle geraten. Lass dich nicht vom Tempo der anderen Läufer verunsichern, sonst bist du zu schnell aus der Puste.

Tatsächlich rennen einige los, als würden sie einen weltmeisterlichen Sprint hinlegen wollen. Aber ich versuche, meine eigene Geschwindigkeit zu finden. Und das gelingt mir erstaunlich gut. Ich ordne mich ganz rechts außen ein, da komme ich gut voran und kann sogar einige Mitläufer hinter mir lassen. Zwischen Kilometer zwei und drei warten dann das erste Mal meine Freunde auf mich. Sie jubeln und machen ein Video, wie ich (noch) leichtfüßig an ihnen vorbeikomme. Ach, ist das toll!

Jetzt kann ich die besondere Stimmung nachvollziehen

Alle, die schon mal bei so einem Lauf mitgemacht haben, haben mir von dieser besonderen Stimmung vorgeschwärmt, und jetzt kann ich das endlich nachvollziehen. Da stehen Kinder am Straßenrand und klatschen mich ab, fremde Menschen rufen meinen Namen und die Läufer feuern sich gegenseitig an. Als wir an einer Stelle vorbeikommen, wo uns die ersten Teilnehmer schon wieder entgegenkommen, applaudieren wir uns. Hunderte Athleten und Hobbysportler, die sich unterstützen, kein Neid, kein Konkurrenzgefühl: Ich habe tatsächlich Gänsehaut. Und bin fast schon ein bisschen traurig, denn 40 Minuten sind schon rum.

Nach Kilometer 13 fängt der Oberschenkel an zu zwicken

Doch nachdem ich meine Freunde nach Kilometer 13 das zweite Mal passiert habe, merke ich es: Mein linker Oberschenkel fängt an zu zwicken. Das hatte ich noch nie! Probleme in der Wade kenne ich, aber das jetzt? Bis Kilometer 18 muss ich dann tatsächlich zwei kurze Gehpausen einlegen. Aber ans Aufgeben denke ich trotzdem nicht ein Mal. Egal wie: Ich werde ankommen!

Und als ich dann auf dem letzten Kilometer zwischen den Zuschauern durchlaufe und schon den Blick auf den Kölner Dom habe, gebe ich nochmal Gas. Über den roten Teppich, auf die Ziellinie zu: Tempo anziehen, lächeln und die Arme hochreißen! Ich bin da. Ich bin stolz. Und ich sehe bestimmt ein bisschen albern aus, wie ich mich breit grinsend und schnaufend mit den anderen Finishern nach vorne schiebe, um unsere Medaillen abzuholen. Aber ich freue mich gerade so sehr, dass ich es geschafft habe – in 02:07 Stunden.

Meine Tipps für alle Läufer

Wesentlich schneller also, als ich Anfang des Jahres gedacht habe. Deshalb meine Tipps für alle, die auch mal bei so einem Lauf, egal wie lang, mitmachen wollen:

  1. Schätze dich und deine Leistung ehrlich ein! Denn ein Hindernislauf um Mitläufer herum bremst, mit Gleichschnellen laufen treibt an. Umgekehrt ist es nicht schön, ständig überholt zu werden.
  2. Genieße die besondere Stimmung, nimm die Zuschauer bewusst wahr – und lächle. Das macht sofort glücklich, auch wenn die Beine zwicken.
  3. Melde dich direkt wieder für den nächsten Lauf an.

Für mich steht jetzt schon fest: 2020 bin ich wieder dabei!