Emotionales Statement nach der Vollstreckung des Todesurteils

Lisa Montgomerys Anwältin: "Jeder der an ihrer Hinrichtung beteiligt war, sollte sich schämen"

Lisa Montgomery wurde für den Mord an einer schwangeren Frau 2004 in den frühen Morgenstunden hingerichtet.
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14. Januar 2021 - 9:25 Uhr

Lisa Montgomery wurde mit einer Giftspritze hingerichtet

Jahrelang kämpfte die Anwältin Kelley Henry für das Leben ihrer Mandantin Lisa Montgomery. In den frühen Morgenstunden des 13. Januar wurde die 52-Jährige nun doch hingerichtet. Um 01.31 Uhr (Ortszeit) wurde sie im Gefängnis von Terre Haute, im US-Bundesstaat Indiana für tot erklärt. Ihre Anwältin veröffentlichte danach ein emotionales Statement bei Twitter. "Jeder, der an der Hinrichtung von Lisa Montgomery beteiligt war, sollte sich schämen", meint Henry.

"Musterbeispiel für die feige Blutlust gescheiterter Behörden"

In ihrem Statement erhebt die Anwältin schwere Vorwürfe: "Wir konnten heute Nacht ein Musterbeispiel für die feige Blutlust gescheiterter Behörden sehen." Zwei Mal war es gelungen, Lisa Montgomerys Hinrichtung aufzuschieben: Einmal wegen einer Covid-19-Erkrankung ihrer Anwälte und einmal gewährte ein Bundesrichter in Indiana nur Stunden vor dem Hinrichtungstermin einen Aufschub. Dann kippte der Surpreme Court die Entscheidung aber und ordnete die Hinrichtung an. Die Verurteilte wurde mit einer Giftspritze getötet. Damit ist sie die erste Frau seit 1953, die von der US-Regierung hingerichtet wird.

Aus Sicht ihrer Anwältin hätte Lisa aufgrund ihres psychischen Zustandes gar nicht hingerichtet werden dürfen. Die 52-Jährige wurde als Kind schwer misshandelt und sexuell missbraucht. Das habe bleibende Schäden hinterlassen, erklärte die Anwältin. "Unsere Verfassung verbietet es, jemanden hinzurichten, der nicht in der Lage ist, die Exekution rational zu verstehen. Das wissen auch die zuständigen Behörden. Und doch haben sie sie getötet", klagt Henry in ihrem Statement an. Die Regierung habe sich in ihrem Eifer, eine missbrauchte und psychisch kranke Frau hinzurichten, durch nichts aufhalten lassen.

Anwältin Kelley Henry
Die Anwältin Kelley Henry hält die Todesstrafe für Lisa Montgomery für unangemessen.
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Trump reagierte noch nicht mal auf Antrag auf Begnadigung

Selbst ein Begnadigungsgesuch beim noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump verhallte. "Der Präsident hat nichts unternommen. Er hatte noch nicht mal den Anstand, die Begnadigung formell abzulehnen", erklärte Kelley. Der Termin für die Hinrichtung sei absichtlich in die letzten Tage von Trumps Amtszeit gelegt worden. "Wir sollten die Hinrichtung Lisa Montgomerys als das sehen, was sie ist: Die bösartige, gesetzlose und unnötige Durchsetzung autoritärer Macht."

Hinrichtungen auf Bundesebene wurden in den USA 17 Jahre lang nicht durchgeführt, bis Trump wieder anordnete, Todesurteile zu vollstrecken. Sein Nachfolger Joe Biden, der am 20. Januar vereidigt werden soll, hat bereits angekündigt, dem ein Ende zu setzen. Er will keine Hinrichtungen mehr durchführen lassen.

 Proteste gegen Hinrichtung von Lisa Montgomery
In Indiana demonstrieren Menschenrechtler gegen die Hinrichtung von Lisa Montgomery.
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Lisa Montgomery schnitt einer Schwangeren das Baby aus dem Bauch

Lisa Montgomery wurde zum Tode verurteilt, weil sie 2004 eine Schwangere würgte und ihr das Baby aus dem Bauch schnitt. Die junge Mutter verblutete, das Baby überlebte. Die Täterin hatte es als ihr eigenes ausgeben wollen. Die Familie der Ermordeten hatte sich für die Hinrichtung ausgesprochen. Aus Sicht ihrer Anwältin ist die Tat aber auf den psychischen Zustand der Täterin zurückzuführen. "Wenn ihre Psychosen sie nicht gerade fest im Griff hatte, war Lisa eine sanfte, liebevolle Person und es war mir eine Ehre, sie kennenlernen und vertreten zu dürfen." Lisa sei im Laufe ihres Lebens von sehr vielen Menschen, die ihr hätten helfen können, im Stich gelassen worden – nun auch von der Regierung.