Mit Gehstock, Bierflasche und Suppengemüse

Lippstadt: Kunden schlagen bewaffneten Supermarkt-Räuber in die Flucht

13. Dezember 2019 - 11:16 Uhr

In Supermarkt in Lippstadt: Maskierter Täter bedrohte eine Kassiererin

In Lippstadt (Nordrhein-Westfalen) hat ein Mann versucht, mit einem Messer bewaffnet einen Supermarkt zu überfallen. Der maskierte Täter bedrohte eine Kassiererin und forderte Geld von ihr. Doch der Räuber stieß auf Gegenwehr: Mehrere Kunden hatten den Vorfall beobachtet und schlugen den Täter mit Gemüse und einem Krückstock in die Flucht. Auf den Aufnahmen der Überwachungskameras ist die couragierte Aktion zu sehen.

Rentner Helmut S. brachte sich am Supermarkt-Ausgang in Stellung

"Ich hatte so eine Angst, dass ich wirklich vergessen habe, wie ich meine Kasse bedienen muss", erinnert sich Kassiererin Konstanze R. Doch dann nahte plötzlich Hilfe. Der 50-Jährige Helmut V., der gerade im Supermarkt einkaufte, rannte mit einer Bierflasche und einer Tüte Gemüse in der Hand auf den Täter zu. "Als er in das Scheinfach griff, flog ihm dann das Suppengemüse ins Gesicht", erinnerte sich die Kassiererin.

Der Räuber ergriff die Flucht und rannte zum Ausgang. Doch dort wartete Rentner Helmut S. auf den Mann. Der 84-Jährige, der gerade im Rausgehen war, hatte den Überfall beobachtet und sich an der Tür in Stellung gebracht. "Ich wollte schon hin, aber ich dachte, der kommt ja gleich hier raus und dann steh ich schon hier", erzählt Helmut S. im Interview.

„Vor zehn Jahren wäre ich hinterher gelaufen“

Als der Räuber an ihm vorbei lief, schlug er ihm mit seinem Gehstock auf den Kopf – so heftig, dass der Stock zerbrach. "Und dann hab ich aber richtig ausgeholt", erinnert sich der Rentner. "Jetzt zieh ich ihm aber einen drüber", habe er gedacht. "Vor zehn Jahren wäre ich hinterher gelaufen."

Der Mann habe zwar getaumelt, lief aber weiter. Die Polizei fahndet nun nach ihm. Der Gesuchte ist etwa 1,70 bis 1,85 Meter groß und schlank. Zum Tatzeitpunkt trug er ein graues Kapuzenoberteil und eine graue Mütze. Von dem Schlag mit dem Gehstock könnte er eine Kopfverletzung davongetragen haben, vermuten die Ermittler. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 02941-91000 entgegen.

Kassiererin Konstanze R. ist froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. "Ich war sehr dankbar für diese Hilfe", sagt sie. "Wenn ich in dem Moment nicht so unter Stress gestanden hätte, ich hätte wahrscheinlich applaudiert." Sie habe aber auch Angst gehabt, dass der Täter ihren Kunden etwas antun könnte. Was Helmut S. und Helmut V. für sie getan haben, sei schon ein bisschen leichtsinnig gewesen, glaubt sie.

Rentner bekam zum Dank einen neuen Gehstock

Das sieht eine Polizeisprecherin ähnlich. Die Männer hätten zwar Zivilcourage gezeigt, erklärt sie,"man sollte aber die eigene Sicherheit in den Vordergrund stellen in dem Moment". Man könne nie wissen, wie so ein Täter reagiert. Sie rät, im Notfall laut um Hilfe zu rufen, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Polizei zu alarmieren.

Helmut S. aber ist sich sicher, dass er – sollte er noch mal in so eine Situation kommen – wieder so handeln würde. Es sei ihm einfach richtig "an die Nieren" gegangen, die Kassiererin vor Angst weinen zu sehen. "Das kriegen ich heute noch nicht aus dem Kopf raus", erzählt er im Interview. Für ihn sei es selbstverständlich gewesen, da zu helfen. Ausgerüstet für den nächsten Überfall ist er jetzt auch wieder. Denn der Supermarkt schenkte ihm zum Dank für seinen heroischen Einsatz einen neuen Gehstock.