Linker Szene-Anwalt irritiert mit Statement: Krawalle sind okay, aber doch bitte nicht im eigenen Viertel

Andreas Beuth auf einer Pressekonferenz.
Andreas Beuth auf einer Pressekonferenz.
© dpa, Christina Sabrowsky, vge

09. Juli 2017 - 16:53 Uhr

"Warum nicht in Pöseldorf oder Blankenese?"

Andreas Beuth gilt als Urgestein der linken Szene in Hamburg. Er fungierte als ihr Anwalt und veranstaltete auch die G20-Gegendemonstration 'Welcome to Hell'. Im Vorfeld hatte er den größten 'Schwarzen Block' aller Zeiten angekündigt. Nach der Randalenacht in der Schanze sagte er dem 'NDR', "Sympathien für solche Aktionen" zu haben, wunderte sich aber über den Ort, an dem sie passierten.

"Unverständnis, dass man im Schanzenviertel die eigenen Geschäfte zerlegt"

In Hamburg gehen die Menschen die Dinge in der Regel mit norddeutscher Gelassenheit an. Was die Bewohner der Sternschanze aber in der Nacht zu Samstag sahen, schockierte sie zutiefst. Schwarze vermummte Randalierer zündeten Autos und Barrikaden an, plünderten einen Supermarkt und eine Drogeriefiliale. Über mehrere Stunden mussten die Anwohner voller Angst zusehen, wie ein Teil ihres Viertels in einem Zustand versank, der einem Bürgerkrieg glich. Erst nach Stunden gelang es der Polizei, den Mob mit Wasserwerfern zu verstreuen.

Während Straßenreinigung und Schanzenbewohner noch mit Aufräumen beschäftigt waren, gab Andreas Beuth dem 'NDR' ein Interview. Der Sender zeigte die Bilder aus der Nacht, dann kam Beuth zu Wort. "Wir als Autonome und ich als Sprecher der Autonomen haben gewisse Sympathien für solche Aktionen. Aber doch bitte nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen. Also, warum nicht in Pöseldorf oder Blankenese?", sagte er und meinte damit die Viertel Hamburgs, in denen die wohlhabenderen Bürger wohnen. Dann fuhr er fort: "Da gibt's auch bei uns großes Unverständnis, dass man im Schanzenviertel die eigenen Geschäfte zerlegt. Die Geschäfte, wo wir selbst einkaufen."

An anderer Stelle spricht Beuth von "sinnfreien Krawallen"

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Menschen über das Statement den Kopf schüttelten. "Na klar, woanders rumrandalieren und danach wieder ab ins beschauliche Heim" oder "Mehr Verachtung für die eigenen Mitmenschen in Hamburg hätte er nicht zum Ausdruck bringen können. Willentlich Menschen zu schaden, schämt euch", hieß es auf Twitter als Reaktion auf den Beitrag.

Andere wunderten sich, ob es ernst gemeint sei, was Buth da über die Krawalle sagte. In der Tat sprach er in einem anderen Interview von "sinnfreier Gewalt. Das wollen wir nicht, das muss unterbleiben." Beuth machte aber vor allem die Polizei dafür verantwortlich.

Nach der 'Welcome to Hell'-Demo gab er an, Tränengas abbekommen zu haben. Die Polizei sei ohne Vorankündigung in eine friedliche Demonstration gestürmt, obwohl er zwischen den Beamten und den Vermummten im 'Schwarzen Block' vermittelt hätte. Zu diesem Zeitpunkt verteidigte er laut 'Morgenpost' noch die Menschen, die Freitagvormittag Autos angezündet hatten. "Ich finde das nicht gut, aber ich kann die emotionale Not verstehen, nach dem massiven Vorgehen der Polizei", so Beuth. Zudem sei nicht klar, ob die Täter aus dem 'Schwarzen Block' stammten.

"Die Rote Flora distanziert sich nicht von militantem Aktivismus an und für sich, aber dieser muss zielgerichtet und auf allen Ebenen vermittelbar bleiben", hieß es dagegen in einem Statement des linksautonomen Zentrums. Das ehemalige Theatergebäude gilt seit fast 30 Jahren als besetzt. "Wir haben den Eindruck, dass sich hier etwas verselbstständigt hat, dass hier eine Form von Militanz auf die Straße getragen wurde, die sich an sich selbst berauscht hat – und das finden wir politisch und inhaltlich falsch", so Andreas Blechschmidt, Sprecher der 'Roten Flora'.