Lingener Gemüsehändler erhält anonymen Boykottbrief – Kunde war verärgert über Erdogan

28. März 2017 - 16:54 Uhr

Die Familie führt seit 25 Jahren ein erfolgreiches Geschäft

Seit 25 Jahren führt Familie Yavuz in der Lingener Innenstadt einen Obst- und Gemüseladen. Das Familienunternehmen legt besonderen Wert darauf, "dass unsere Kunden stets auf die Freundlichkeit und Herzlichkeit unserer Mitarbeiter vertrauen können", ist auf der Internetseite des Geschäfts zu lesen. Umso mehr schockierte es die Geschäftsleute, als sie plötzlich einen anonymen Boykottbrief von einem verärgerten Kunden erhielten.

Der Absender will alle türkischen Geschäfte boykottieren

Der Briefeschreiber, der sich selbst als "ein Deutscher Demokrat" bezeichnet, erklärte, dass er ab sofort nicht mehr bei der türkischstämmigen Familie Yavuz einkaufen wolle, weil er sich über das Verhalten des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und die türkische Regierung ärgere. Er habe zwar jahrelang gerne in dem Gemüseladen eingekauft und es täte ihm Leid schreibt er, "denn sowohl Ihre Ware, als auch Ihre Freundlichkeit war immer hervorragend! Aber diese Sprüche aus der Türkei – das geht nicht", meint der anonyme Absender.

Er glaubt auch, dass viele andere Lingener so denken würden wie er und kündigt an, auch andere Geschäfte und Restaurants, die von Türken betrieben werden, nicht mehr zu besuchen. Mehrere Passagen des Briefes sind gefettet und mit zahlreichen Ausrufezeichen versehen.

Mit dieser Reaktion hätte wohl keiner gerechnet

Familie Yavuz wollte solche Anfeindungen nicht auf sich sitzen lassen, darum veröffentlichten die Ladeninhaber das Schreiben auf Facebook. Wir "fühlen uns als Teil von Lingen", schreiben sie, "wir haben uns immer von politischen, kulturellen und religiösen Diskussionen distanziert". Darum wolle die Familie den Brief nicht anerkennen. Trotzdem können sie auf solche Kunden gerne verzichten. Alle, die genauso denken, sollen nicht mehr im 'Yavuz Markt' einkaufen kommen, meinen die Geschäftsleute.

Mit der mutigen Veröffentlichung des Boykottbriefes wollte die Familie eigentlich nur klar machen, dass sie sich solche Vorwürfe nicht einfach gefallen lässt. Doch was dann geschah, war eine absolute Überraschung. Tausende teilten und kommentierten den Post. Fast alle sind entsetzt über das Verhalten des Briefeschreibers und wollen jetzt erst recht bei Familie Yavuz einkaufen kommen. "Lasst euch von solchen Dummschwätzern nicht ärgern", meint ein User. Ein anderer schreibt sogar: "Esst mehr Obst! Jetzt erst recht".

Und auch außerhalb von Lingen kann die Familie offenbar neue Kunden gewinnen: "Ich muss ab nächster Woche einen Monat lang nach Lingen und werde gerne mal vorbei schauen und bei ihnen einkaufen", schreibt ein User. Mit so viel Unterstützung und Solidarität für die freundlichen Gemüsehändler hatte der Briefeschreiber wohl nicht gerechnet. Gerührt und überwältigt bedanken sich die Geschäftsleute auf Facebook für all die netten Kommentare.