Grüne fordern Frühwarnsystem

Lieferengpässe bei Medikamenten: Was das für chronisch kranke Menschen bedeutet

13. Januar 2020 - 8:26 Uhr

Für Betroffene können Lieferengpässe richtig gefährlich werden

Ein Medikament, das nicht mehr lieferbar ist. Das kommt in deutschen Apotheken nicht selten vor. Die Grünen fordern jetzt die Einführung eines Frühwarnsystems, um das vorzubeugen. In einem Papier der Grünen, das der "Bild" vorliegt, wollen sie ein Frühwarnsystem, sobald sich ein Lieferengpass bei einem Medikament abzeichnet. So soll es einfacher sein, gegenzusteuern. Wenn jemand auf die Medikamente angewiesen ist, kann das gefährlich werden.

Das weiß auch RTL-Redakteur Tobias Elsaesser nur sehr gut. Er ist an Narkolepsie erkrankt - und hat große Probleme, seine Medikamente zu bekommen. Im Video erzählt er über seine schlechten Erfahrungen.

Krankenkassen sollen Kosten für Alternativ-Medikamente übernehmen

Bei 274 Medikamenten soll es Lieferengpässe geben. Um schneller gegensteuern zu können, sollen die Firmen frühzeitig Bescheid geben. So soll der Fokus auf "eine gesteigerte Transparenz im Liefergeschehen von Arzneimitteln" gelegt werden, so Grünenpolitikerin Kordula Schulz-Asche in der "Bild". Dadurch soll es Möglichkeiten wie Lagerausweitungen oder temporäre Exportverbote geben. Auch wichtig: Patienten sollen nicht auch noch finanziell unter den Lieferengpässen leiden. Die Grünen wollen, dass die Krankenkassen im Fall des Falles die Kosten für Ausweich-Präparate übernehmen.

Eingeschaltet hat sich in der Debatte auch der Apothekerverband ABDA. Er fordert eine verstärkte Arzneimittelproduktion in Europa. "Die komplette Auslagerung der Pharmaproduktion nach Asien sollte rückgängig gemacht werden", sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt der "Passauer Neuen Presse". Zwar würden sich dadurch die Preise erhöhen, doch es sei für die Versorgungssicherheit notwendig.

Nebenwirkungen des Ausweich-Präparats für RTL-Reporter

Die Alternative zum "ausverkauften" Medikament ist nicht für alle Menschen unbedingt eine gute Lösung. Unser Kollege Tobias Elsaesser brachte das Ausweichmedikament eher Nachteile. Der RTL-Redakteur leidet an Narkolepsie. Eins der Symptome: Die Kontrolle über die Muskeln zu verlieren, wenn man wütend ist oder sich freut. Ein Medikament soll das verhindern. Als es wegen Lieferengpässen nicht mehr verfügbar war, gab es für Tobias ein Ausweich-Präparat - jedoch viel höher dosiert. "Ich bekomme eine viel stärkere Dosis jetzt. Ich muss sozusagen Tabletten teilen, die eigentlich zum Teilen nicht vorgesehen sind.", erzählt er. Das Problem: Der Wirkstoff ist in der Tablette ungleich verteilt und daran musste er sich zuerst gewöhnen.

Das machte sich auch in seinem Verhalten bemerkbar. "Ich war stark gefährdet, diese Anfälle zu bekommen bei der geringsten Gefühlsregung. Dann ist es auch gefährlich, auf die Straße zu gehen, wenn man nicht genau weiß, wo man hinfällt", erzählt Tobias aus eigener Erfahrung. Dennoch versucht er mit dem, was er hat, über die Runden zu kommen. Der Gedanke daran, dass er die Tabletten demnächst gar nicht bekommen könnte, macht ihm aber Angst. Denn das würde sein Leben komplett verändern, sodass er nicht mal mehr arbeiten könnte - geschweige denn seinen Hobbys, wie dem Fahrradfahren, nachzugehen. Viele Betroffene können sich ein Leben ohne ihre Medikamente nicht mehr vorstellen, vor allem bei einer Krankheit wie die Narkolepsie.