Liebe statt Hass: Stockholm trauert um die Opfer des LKW-Anschlags

11. April 2017 - 16:43 Uhr

Zweite Festnahme nach Terroranschlag

Nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm hat die Polizei eine zweite Person unter Terror- und Mordverdacht festgenommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Details zu der Festnahme wollte die Behörde zunächst nicht bekanntgeben. Einen 39-jährigen Usbeken hatten die Ermittler bereits am Freitagabend festgenommen, nachdem ein Lastwagen in einer großen Einkaufsstraße in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast war. Vier Menschen starben. In Stockholm haben sich Einwohner und Touristen auf einem zentralen Platz versammelt, um der Opfer zu gedenken. Sie haben eine klare Botschaft.

"Wir lassen die Dunkelheit niemals gewinnen"

Blumen für die Anschlagsopfer in Stockholm
Tausende haben nach dem Anschlag in Stockholm Blumen niedergelegt.
© imago/Bildbyran, Kenta Jönsson, imago stock&people

Die Stockholmer trotzen dem Terror. Sie wollen zeigen, dass sie sich nicht fürchten und dass sie dem Hass und der Gewalt etwas entgegenzusetzen haben: Liebe. Auf Facebook meldeten sich Tausende zu der "Liebes-Kundgebung" an. Rund um den Anschlagsort in der Einkaufsstraße Drottninggatan haben Passanten unzählige Blumen niedergelegt. "Wir lassen die Dunkelheit niemals gewinnen", hatte jemand auf einen Zettel geschrieben.

Weltweite Solidarität mit Schweden

Finnland gedenkt der Opfer von Stockholm
Zum Gedenken an die Opfer von Stockholm ist das finnische Außenministerium in Helsinki in den schwedischen Nationalfarben erleuchtet.
© dpa, Markku Ulander, ts jai

Der schwedische König Carl XVI. Gustaf und seine Frau Königin Silvia brachen eine Brasilienreise ab, als sie von dem Anschlag erfuhren. Der Monarch verurteilte die Tat als "verachtenswürdig" und erklärte, es gebe ihm aber Hoffnung, "dass all diejenigen unter uns, die helfen wollen, viel zahlreicher sind als diejenigen, die uns schaden wollen."

Weltweit bekundeten Menschen ihr Beileid und ihre Solidarität mit Schweden. Das finnische Außenministerium in Helsinki wurde in den schwedischen Nationalfarben angestrahlt und bei einem Fußballspiel in Madrid gedachten die Spieler der Opfer des Anschlags.

Die Ermittler fanden einen verdächtigen Gegenstand im LKW

Die Untersuchungen am Tatort sind inzwischen abgeschlossen und die Absperrungen rund um die Einkaufsstraße wurden aufgehoben. Das Kaufhaus Åhléns, in das der LKW gerast war, bleibt noch geschlossen. Zuvor hatte Åhléns erklärt, Teile des Hauses wieder öffnen zu wollen. Mit der Ankündigung, durch Rauch beschädigte Waren zum halben Preis zu verkaufen, hatte das Kaufhaus aber heftige Kritik in den sozialen Medien auf sich gezogen. Facebook-Nutzer nannten die Pläne geschmacklos. Deshalb zog Åhléns die Ankündigung zurück und will erst am Montag wieder öffnen.

Die Ermittler untersuchen unterdessen einen verdächtigen Gegenstand, den sie auf dem Fahrersitz im LKW gefunden hatten. Um was genau es sich dabei handelt, ist noch unklar. Medien hatten spekuliert, dass es eine Bombe sein könnte.

Der Attentäter sollte abgeschoben werden

Der Tatverdächtige hatte einen gestohlenen LKW in eine belebte Einkaufsstraße gesteuert. Vier Menschen starben, 15 weitere wurden verletzt. Zwei Todesopfer stammen aus Schweden, eins aus Großbritannien und eins aus Belgien. Das Motiv des Täters ist noch immer unklar, die Ermittler halten einen Terrorhintergrund aber für sehr wahrscheinlich. "Die Umstände weisen auf eine Absicht hin, unserer Bevölkerung zu schaden und für Angst und Schrecken zu sorgen", sagte Staatsanwalt Hans Ihrman.

Der Attentäter hatte 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt, die allerdings abgelehnt worden war. 2016 wurde sollte er ausgewiesen werden. Weil er jedoch nicht ausreiste, wurde er von den Behörden gesucht. Er sympatisierte mit extremen Organisationen wie dem IS, erklärten Ermittler.

Der Mann war im letzten Jahr bereits ins Visier der Polizei geraten. Damals konnte man ihm allerdings keine Verbindungen zu extremistischen Milieus nachweisen, erklärte Anders Thornberg von der Polizei. Die Ermittler können nicht ausschließen, dass weitere Personen an der Tat beteiligt waren. "Ungefähr fünf" Personen halte man derzeit fest, sagte Jan Everson von der Stockholmer Polizei. Rund 500 Menschen wurden befragt. Die Polizei zeigt im Land verstärkt Präsenz. Zehn Tage lang sollen alle Ausreisenden genau kontrolliert werden.

Auch in Norwegen gab es einen Zwischenfall

In der norwegischen Hauptstadt Oslo gab es ebenfalls einen Zwischenfall. Die Polizei entdeckte dort einen bombenähnlichen Gegenstand. Die verdächtige Plastiktüte hatte jemand nahe der Innenstadt abgelegt. Eine Spezialeinheit sprengte den verdächtigen Gegenstand kontrolliert. Gefahr für die Öffentlichkeit habe nicht bestanden, meldete der norwegische Rundfunk. Ein Verdächtiger, der die Tüte bei sich gehabt haben soll, wurde verhaftet.