Warum wir die Sterne nicht mehr sehen können

Lichtverschmutzung: Die Straßenlaternen sind nicht schuld

Weil unsere Nächte immer heller werden, haben es Sternegucker in Deutschland immer schwerer, ungestört in den Nachthimmel zu blicken.
© Getty Images/iStockphoto, Beeldbewerking

29. Oktober 2020 - 18:49 Uhr

Wer ist schuld am fehlenden Sternenhimmel?

Satellitenbilder von nächtlich erleuchteten Orten und Straßen zeigen das Ausmaß der "Lichtverschmutzung" auf der Welt. Die Straßenlaternen sind das erste, woran man denkt, wenn man an die Verursacher denkt, die uns den Blick auf den Sternenhimmel vermasseln. Aber falsch gedacht, nun hat eine ganz besondere Studie herausgefunden, dass die Ursachen woanders liegen müssen.

Nur 20 Prozent stammt von den Straßenlaternen

Einem Team von Forschenden aus Deutschland, den USA und Irland gelang es erstmals, den großflächigen Einfluss des Straßenlichts auf die Helligkeit der Nacht zu untersuchen. Die Frage war: Wie viel des Lichts stammt wirklich von Straßenlaternen und nicht aus anderen Quellen? Die Studie, die in der Zeitschrift "Lighting Research & Technology" veröffentlicht wurde, zeigt ganz klar, dass nur etwa 20 Prozent des Lichts in den Satellitenbildern aus Straßenlaternen stammt.

Laternenlicht wird von Weltraum aus gemessen

Das Team führte ein Experiment durch, in dem es die Helligkeit von Straßenlaternen in der Stadt Tucson, Arizona, USA, verändern ließ und beobachtete, wie dies die Wahrnehmung der Helligkeit der Stadt aus dem Weltraum beeinflusste. Christopher Kyba vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ leitete das Team. 

Sternenpark Spiekeroog
Hier ist die Welt noch in Ordnung: Der Sternenhimmel über Spiekeroog.
© deutsche presse agentur

Straßenlaternen wurden massiv gedimmt

An zehn Tagen im März und April 2019 wurden in Tucson die Helligkeitseinstellungen für etwa 14.000 der 19.500 Straßenlaternen verändert.

Normalerweise werden die meisten Straßenlaternen dort am Abend mit 90 Prozent ihrer maximal möglichen Beleuchtungsstärke eingeschaltet und um Mitternacht auf 60 Prozent gedimmt. Während des Experiments dämpfte die Stadt die Beleuchtung stattdessen in einigen Nächten bis auf 30 Prozent, in anderen regelte sie das Licht auf 100 Prozent hoch.

Die Lichter der Stadt wurden von dem Satelliten Suomi National Polar-orbiting Partnership (NPP) beobachtet, der von den USA betrieben wird und für seine globalen Karten des nächtlichen Lichts berühmt ist. Der Satellit nahm wolkenfreie Bilder von Tucson auf: in vier Nächten während des Tests und in zwei weiteren Nächten danach, mit regulärem Beleuchtungsschema.

Durch den Vergleich der Stadthelligkeit in den sechs verschiedenen Nächten fanden die Forschenden heraus, dass in einer normalen Nacht nur etwa 20 Prozent des Lichts in den Satellitenbildern von Tucson aus Straßenlaternen stammt.

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Der "Dunkel-Modus" schien niemanden zu stören

Tucson Lichtverschmutzung Studie
Ein Blick in eine Straße in Tucson zum Vergleich zwischen einer Beleuchtungsstärke von hier 90 Prozent zu den 30 Prozent im unteren Bild..
© John Barentine
Tucson Lichtverschmutzung Studie
Die Forschenden berichten, dass die Stadt während des Tests keine Kommentare oder Beschwerden über die veränderte Beleuchtung erhielt. Es gibt auch keine Hinweise oder Andeutungen, dass die Reduzierung des Beleuchtungsniveaus als Teil des Versuchs negative Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit hatte.
© John Barentine

Jetzt sind die Politiker dran

Der große Teil des Lichts muss also andere Quellen, wie helle Fenster, beleuchtete Schilder und Fassaden oder Sportplätze haben. Das spannende Fazit sei, dass lokale und nationale Regierungen deshalb über mehr als nur die Straßenbeleuchtung nachdenken müssen, wenn sie versuchen, die Lichtverschmutzung zu reduzieren, so die Wissenschaftler.

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