44 Tote und 133 Verletzte

Luftangriff auf Flüchtlingslager in Libyen

3. Juli 2019 - 15:46 Uhr

Libysches Flüchtlingslager mutmaßlich von Chalifa Haftars Truppen angegriffen

Der Libyenkrieg war etwas aus den Schlagzeilen geraten. In der Nacht zum Mittwoch schreckte ein schwerer Angriff auf ein Migrantenlager die Weltöffentlichkeit auf. In der libyschen Hauptstadt Tripolis sind 44 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt worden. Es ist der tödlichste Angriff seit der im April angeordneten Offensive des Generals Chalifa Haftar auf Tripolis. Der libysche Präsidentschaftsrat macht ihn für den Angriff verantwortlich. Er hat im Osten Libyens seine Machtbasis.

Libyen: Wichtiges Transitland für afrikanische Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa

Angriff auf Migrantenzentrum in Libyen.
Bei einem Angriff auf ein Migrantenlager in Libyens Hauptstadt Tripolis sind 44 Menschen getötet worden.
© dpa, Hazem Ahmed, pat

600 Migranten unterschiedlicher Nation waren in dem Migrantenlager in Tadschura im Osten von Tripolis untergebracht. 120 davon befanden sich im betroffenen Lagerteil. Dem in Katar ansässigen Sender Al-Dschasira zufolge sollen sie aus dem Sudan, Eritrea und Somalia stammen. Haftars selbsternannte Libysche Nationalarmee (LNA) hatte bereits am Montag schwere Angriffe auf Tripolis angekündigt. Der Präsidentschaftsrat forderte die Vereinten Nationen auf, die Attacke zu untersuchen.

Libyen ist eines der wichtigsten Transitländer für Migranten und Flüchtlinge aus Afrika auf dem Weg nach Europa. In die Lager kommen alle, die ohne gültige Aufenthaltspapiere aufgegriffen werden. Dazu gehören auch diejenigen, die die libysche Küstenwache auf Druck der EU bei dem Versuch abfängt, per Boot nach Europa zu gelangen. Laut dem Flüchtlingswerk UNHCR werden in dem Küstenstaat fast 6.000 Menschen in Internierungslagern festgehalten, Tausende weitere leben teils versteckt im Land.

Seit acht Jahren toben in Libyen blutige Machtkämpfe

General Haftar beherrscht mittlerweile weite Teile des Landes. Es beansprucht die Macht ebenso für sich wie die in Tripolis ansässige Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Diese wird von den UN unterstützt, hat aber kaum direkte Kontrolle über die Hauptstadt hinaus und stützt sich auf regionale Milizen. Die Aussichten auf eine politische Lösung des Konflikts stehen derzeit sehr schlecht.

In dem ölreichen Land in Nordafrika herrscht acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi ein blutig ausgetragener Machtkampf, in den sich zahlreiche Länder einmischen. Nato-Staaten hatten dort 2011 unter einem UN-Mandat zum Schutz der Zivilbevölkerung in den Bürgerkrieg eingegriffen und zum Sturz Gaddafis beigetragen. Damit brach die staatliche Ordnung zusammen. Regionale Milizen, Banden und Islamisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nutzten das aus.