Liberalisierung des Energiemarktes: Was hat sich geändert?

21. Oktober 2015 - 16:19 Uhr

10 Jahre Liberalisierung

Was hat sich geändert? Mehr als 900 Anbieter tummeln sich auf dem deutschen Strommarkt. Das war nicht immer so: Vor der Liberalisierung des Energiemarktes war die Zahl der Stromversorger deutlich geringer. Das fiel allerdings nicht weiter auf, da die Verbraucher den Anbieter ohnehin nicht frei wählen konnten. Heute gibt es in der Bundesrepublik - je nach Zählweise - zwischen 8.000 und 16.000 verschiedene Stromtarife. Wer diese Vielzahl als Hinweis auf einen fairen Wettbewerb in Deutschland wertet, irrt allerdings.

Vor zehn Jahren wurde der deutsche Energiemarkt liberalisiert. Zuvor waren Strom- und Gasversorgung monolpolistisch organisiert gewesen: Die Anbieter mit den lokalen Verteilnetzen und den überregionalen Übertragungsnetzen genossen Alleinstellung, da es als volkswirtschaftlich nicht sinnvoll galt, parallele Netze zu betreiben. Das System funktionierte allerdings nur, solange die Anbieter keine marktbeherrschende Stellung in den Märkten einnahmen, die der Netznutzung vor- und nachgelagert waren, wie Stromvertrieb und Erzeugung.

1998 wurde das Monopol abgeschafft und der deutsche Strommarkt liberalisiert. Stromkunden konnten ihren Anbieter selbst wählen und private Versorger waren nun dazu in der Lage, sich ebenfalls auf dem Markt zu etablieren. Ziel dahinter war, den Wettbewerb auf dem Strommarkt zu erhöhen, damit durch das vermehrte Angebot die Preise auf "natürliche" Weise reguliert werden. Diese Hoffnung erfüllte sich allerdings nicht. Anfangs fielen die Preise zwar, doch gleichzeitig fand ein Konsolidierungsprozess in der Stromwirtschaft statt, der den Effekt bald wieder aufhob.

Die vier größten Stromversorger in Deutschland, RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW, beherrschten bald etwa 80 Prozent des deutschen Strommarktes. Da sie zugleich die Betreiber der Hochspannungsnetze sind und eine übergeordnete Regulierungsbehörde fehlte, konnten sie alternativen Anbietern die Preise für die Netznutzung weitestgehend diktieren. Das erschwerte den Markteintritt vieler Unternehmen, ist der Anteil der Netznutzungskosten am Strompreis mit rund einem Drittel doch vergleichsweise hoch. Dieser Missstand wurde 2005 behoben, als die Bundesnetzagentur eingeführt wurde. Sie wurde damit beauftragt, die Bedingungen für den Marktzugang von Stromerzeugung, Handel und Vertrieb klar zu regeln und bei Bedarf zu beeinflussen. Seitdem hat sich die Situation gebessert.

Die EU-Wettbewerbskommission fordert inzwischen die strikte Trennung von Produktion und Vertrieb des Stroms. Einige Anbieter wie Vattenfall und E.ON haben auch schon eingelenkt und bereiten den Verkauf ihrer Netze vor. Inwieweit das die Situation der Konsumenten verbessern wird, ist noch fraglich, denn die Einflüsse auf den Strompreis sind vielfältig. Auch haben trotz des hohen Einsparpotentials viele Kunden die Möglichkeit, den Stromanbieter zu wechseln, bisher nicht genutzt. Doch besonders hierzulande ist es wichtig, von diesem Recht Gebrauch zu machen: Nur so stärkt man alternative Anbieter und trägt zu einem funktionierenden Wettbewerb bei.