Lewis Hamilton nach Aserbaidschan-GP: "Vettel hat keinen Respekt gezeigt"

26. Juni 2017 - 13:17 Uhr

Sebastian Vettel gab auch im Ziel des Chaos-Rennens von Baku um keinen Meter nach. Von einer Entschuldigung für den Wut-Rempler gegen Formel-1-Titelrivale Lewis Hamilton war der WM-Spitzenreiter weit entfernt.

"So sollte sich kein Weltmeister benehmen"

Längst lief die Party für Überraschungssieger Daniel Ricciardo, der im Red Bull vor Silberpfeil-Fahrer Valtteri Bottas und Williams-Neuling Lance Stroll gewonnen hatte, als Vettel und Hamilton ihre ganz unterschiedliche Sicht der Dinge im nun vergifteten Dauer-Zweikampf schilderten.

"Wir sind doch alle erwachsen, wollen hier Rennen fahren und unsere Ellenbogen benutzen", sagte Vettel. Der britische Mercedes-Pilot indes ätzte: "Er hat sich heute selbst beschämt. So sollte sich kein Weltmeister benehmen."

Vettel: Verstehe nicht, warum man nur mich bestraft

Inmitten einer Unfallserie, die später sogar eine 23-minütige Renn-Unterbrechung herbeiführte, hatte Vettel die Nerven verloren. Zunächst fuhr er hinter dem Safety-Car auf Hamiltons Mercedes auf, dann setzte er sich neben ihn, drohte mit der Hand und rammte das linke Vorderrad des Silberpfeils.

"Wenn er zeigen will, dass er ein Mann ist, soll er aus dem Auto steigen und wir machen es von Angesicht zu Angesicht", sagte Hamilton. Die Rennleitung verurteilte Vettel zu einer Zehn-Sekunden-Standzeit an der Box und brummte ihm zudem drei Strafpunkte auf. Vettel zeigte sich uneinsichtig. "Er hat zweimal hart gebremst. Das war nicht gut. Ich verstehe nicht, warum man nur mich bestraft", sagte Vettel.

Wolff: Titelrivalen können nicht mehr Freunde sein

"Ab einem bestimmten Zeitpunkt können die Besten, die um den WM-Titel fahren, nicht mehr Freunde sein", hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff die Eskalation des Titelduells befürchtet. "Vielleicht haben wir heute die Grenzen des Respekts gesehen. Diese Ereignisse werden ihrer Beziehung nicht helfen."

Zu der Aktion selber bezog er klar Stellung: "Wir müssen im Hinterkopf haben, dass Millionen am Fernseher zuschauen und wir Vorbildwirkung haben", sagte Wolff in Richtung Vettel. Allerdings gab der 45-Jährige auch zu: "Der Sport braucht diese Rivalität. Was wir heute gesehen haben, waren die Zutaten für eine großartige WM."

Lauda: "Das war ein Revanchefoul"

"Das war ein Revanchefoul", lautete die Einschätzung von Mercedes-Teamvorstand Niki Lauda. Vettel dagegen sah es anders. "Er hat beschleunigt nach der Kurve, dann gebremst. Das war unnötig. Ich glaube nicht, dass es Absicht war, aber es war einfach falsch", meinte der 29-Jährige.

​Hamilton indes widersprach dieser These: "Ich habe keinen Bremstest gegen ihn gemacht. Dass er praktisch damit davonkommt, in einen anderen Piloten zu fahren, ist eine Schande." Nach Wochen, in denen die beiden WM-Kontrahenten ständig ihren gegenseitigen Respekt versicherten, ist die Stimmung nun vorerst explosiv. "Wenn du Respekt haben willst, musst du Respekt zeigen. Vettel hat heute absolut keinen Respekt gezeigt", sagte Hamilton. "Nun hat der Kampf begonnen."