Bahrain-GP | Qualifying

Lewis Hamilton fliegt im Flutlicht zur Wüstenpole

28. November 2020 - 18:27 Uhr

Formel 1 in Bahrain: Lewis Hamilton ist noch immer hungrig

Formel-1-Kannibale Lewis Hamilton ist immer noch nicht satt. Nach dem Gewinn seines siebten WM-Titels vor zwei Wochen in Istanbul jagt der Mercedes-Star in dieser Saison nun noch die magische Marke von 100 Pole Positions. Mit einem fehlerfreien Ritt über den flutlichtbeschienen Bahrain International Circuit sammelte der Brite im Qualifying zum drittletzten Saisonlauf (Sonntag, ab 13.15 Uhr bei RTL und online auf TVNOW) Pole Nummer 98 ein.

Die Highlights des Qualifyings sehen Sie oben im Video.

Die Top 10 des Qualifying im Überblick

Hamilton will "einfach Spaß haben"

Dabei war Hamilton gar nicht als Favorit ins Qualifying gegangen. Diese Rolle hatte sich Red-Bull-Mann Max Verstappen mit seiner Bestzeitfahrt im 3. Freien Training gesichert. Doch als die Sonne hinter dem Horizont versank und die Nacht über der Wüste von Sakhir heraufzog war Hamilton wieder hellwach. Im entscheidenden letzten Quali-Durchgang drückte der siebenmalige Champion den Streckenrekord gleich zwei Mal auf letztlich 1:27,264 Minuten.

"Ich habe nach dem Gewinn der WM nicht gefeiert. Ich habe trainiert, mich auf dieses Rennen voll fokussiert", sagte Hamilton: "Das ist die Weiterführung der bisherigen Leistung. Ich wollte heute einfach Spaß haben."

Max Verstappen chancenlos

Für die Konkurrenz erwies sich Hamilton damit einmal mehr als Spaßbremse. Die Quali-Zeiten des 35-Jährigen waren eine zu hohe Hürde für Verstappen. Der Niederländer kämpfte, doch am Ende fehlten ihm knapp vier Zehntel. Und selbst dem zweiten Mercedes musste der 23-Jährige noch den Vortritt lassen. Valtteri Bottas sicherte sich Startplatz 2 mit 0,125 Sekunden Vorsprung vor Verstappen.

Teamkollege Alex Albon zeigte sich gut erholt von seinem heftigen Abflug im Freitagstraining (den Unfall im Video sehen Sie unten) und steuerte seinen Red Bull als Vierter ebenfalls in Reihe 2. "Es wird auch morgen schwierig, Mercedes zu schlagen", sagte Verstappen resigniert. Er und Bottas sind wohl die einzigen, die einen weiteren Hamilton-Rekord in diesem Jahr noch verhindern können: 13 Saisonsiege sind für den Kannibalen noch möglich, diese Marke erreichten bislang nur Co-Rekordchampion Schumacher (2004/in 18 Rennen) und Sebastian Vettel (2013/in 19).

Video: Albon crasht heftig in die Bande

Harte Bodenlandung für Sebastian Vettel

Von solchen Rekordmarken träumt Sebastian Vettel derzeit nicht einmal. Knapp zwei Wochen nachdem er beim Ausnahmerennen in Istanbul als Dritter Selbstbewusstsein tanken durfte, folgte für den 33-Jährigen in der steinigen Wüste von Sakhir wieder die harte Bodenlandung in der Formel-1-Normalität. Wie zumeist in dieser Saison endete das Qualifying für den viermaligen Champion in der zweiten K.o.-Runde. Als Elfter verpasste Vettel den Sprung in Q3 um 0,141 Sekunden. "Ich hatte einige Wackler drin, arghhhhhhh", ärgerte sich Vettel im Boxenfunk.

Immerhin ließ er im teaminternen Duell Charles Leclerc hinter sich – wenn auch nur um die Winzigkeit von 16 Tausendstel. Die Ferrari starten damit nebeneinander aus Reihe 6 und haben dabei freie Reifenwahl. "Im letzten Versuch hatte ich Probleme, die Vorderreifen auf Temperatur zu bringen", sagte Vettel: "Wir hoffen, dass wir morgen ein bisschen mehr rausholen können."

Technik stoppt Sainz und das Qualifying

Die verkorkste Saison 2020 ist für den erfolgreichsten Rennstall der Formel-1-Geschichte aber wohl nicht mehr zu retten. Rang sechs belegt die Scuderia in der Teamwertung, schlechter waren die Italiener zuletzt 1980 - als WM-Zehnter. Racing Point auf Rang drei ist zwar nur 24 Punkte voraus, aber das künftige Team von Vettel, dann unter dem Namen Aston Martin, hat mit Sergio Perez auf Startplatz 5 bessere Chancen auf weitere WM-Zähler in Bahrain.

Einen weiteren Rivale um WM-Punkte bremste in Q2 die Technik aus: Carlos Sainz. Bei der Zufahrt auf die erste Kurve wurde der McLaren-Pilot von plötzlich blockierenden Hinterrädern überrascht, sein Auto drehte sich und blieb manövrierunfähig Mitten in der Auflaufzone liegen. Um den MCL25 sicher aus der Gefahrenzone schaffen zu können, unterbrach die Rennleitung die Session. Die Rote Flagge nach rund sechs Minuten der zweiten K.o.-Runde brachte den Ablauf vieler Fahrer durcheinander – doch Hamilton ließ sich auch dadurch nicht von seinem Weg zur Pole abbringen.