Leverkusen "verpflichtet": Can denkt nicht an die Bayern

Emre Can nimmt die Verpflichtung von Bayer Leverkusen wörtlich.
Emre Can nimmt die Verpflichtung von Bayer Leverkusen wörtlich.
© dpa, Marius Becker

13. März 2014 - 9:01 Uhr

Eigentlich gehört er mit seinen 19 Jahren noch zu den Leverkusener Youngstern, aber das will Emre Can gar nicht hören. Das Fußball-Geschäft sei keine Frage des Alters, sondern der Qualität, meint der Neuzugang. Nachdem er in der ersten Elf von Bayer Fuß gefasst hat, nimmt der Deutsch-Türke die nächsten Ziele ins Visier - und verschwendet dabei keinen Gedanken an die Bayern.

Ob Toni Kroos bei ihm ein Essen gut hat, lässt sich Emre Can nicht entlocken. Dabei wäre der Leverkusener seinem einstigen Bayern-Kollegen eigentlich zu Dank verpflichtet. Er befolgte dessen Rat und wechselte wie der damals für zwei Jahre ausgeliehene Kroos von den Bayern nach Leverkusen, wo sich Can mittlerweile durchgebissen hat. "Als ich hierher kam, war ich noch leicht verletzt, und dann musste ich mich erst an das spezielle Spielsystem herantasten", sagt Can im Interview mit sport.de: "Inzwischen bin ich angekommen, wie man sagt. Es macht riesigen Spaß, hier zu spielen."

Trainer Sami Hyypiä weiß dabei vor allem die Flexibilität zu schätzen. Im Mittelfeld kam Can schon auf fast jeder Position zum Einsatz, zuletzt durfte er auf der linken Abwehrseite ran. Er sehe sich zwar eher als zentraler Mittelfeldspieler, "aber zunächst einmal ist es mir egal. Ich spiele dort, wo Trainer und Mannschaft mich brauchen", versichert Can, der in dieser Saison in der Bundesliga schon neun Spiele gemacht hat und auch in der Champions League in allen Partien zum Einsatz kam.

Bisher lief es für den Neuzugang rund, doch am Mittwoch folgte die erste Lehrstunde: Beim 0:5 in der 'Königsklasse' gegen Manchester United durfte/musste Can hinten links gegen Superstars wie Nani, Shinji Kagawa oder Wayne Rooney verteidigen - und bekam genau wie alle anderen Leverkusener seine Grenzen aufgezeigt. Natürlich habe Bayer einen "ganz schlechten Tag" erwischt, meint der gebürtige Frankfurter, der den Kopf aber nicht hängen lässt: "Wir haben gesehen, dass wir noch nicht da sind, wo wir hin wollen. Ich bin mir sicher, dass wir aus dieser Niederlage noch Nutzen ziehen werden."

Can: Konkurrenzkampf keine Frage des Alters

Von Nutzen wird nicht nur die Niederlage gegen ManUnited, sondern auch Cans Wechsel in der Sommerpause gewesen sein. Im Gegensatz zu den Bayern, wo Pep Guardiola ihm erklärt habe, dass "es in der momentanen Situation vielleicht etwas schwierig ist", kann der Junioren-Nationalspieler in Leverkusen seine ersten Schritte in der Bundesliga machen. "Ich wollte mehr Spielpraxis. Das ist es, was man braucht, um sich weiterzuentwickeln", erklärt Can, der bei Bayer die Möglichkeit habe, "auf ganz hohem Niveau weiter an mir zu arbeiten".

Dass er dabei als 19-Jähriger andere gestandene Profis auf die Bank verdrängt, macht ihm nichts aus - vor allem nicht wegen des Alters. "Ich fühle mich nicht als Youngster", sagt Can. Der Konkurrenzkampf "ist heutzutage keine Frage des Alters mehr, sondern der Qualität. Und wir haben in Leverkusen sehr viele Spieler mit großer Qualität."

Trotz dieser großen Konkurrez hat sich Can in Leverkusen durchgebissen. Experten wie sein einstiger Förderer Jupp Heynckes hatten ihm schon vorher eine große Karriere vorausgesagt. Warum also nicht zu den Bayern zurückkehren, die sich für 2015 eine Rückkaufs-Klausel gesichert haben? "Damit beschäftige ich mich momentan überhaupt nicht. Ich habe einen Vertrag in Leverkusen unterschrieben", sagt Can, der seine Verpflichtung wörtlich nimmt: "Es heißt dann doch immer, der Verein hat den oder den Spieler "verpflichtet". Dieser Verpflichtung will und werde ich nachkommen."

Daniel Grochow