In Zukunft steht die Familie stärker im Mittelpunkt

Neureuther verabschiedet sich "schön und sehr emotional"

Neureuther
© dpa, Helmut Fohringer, rs luh lof

19. März 2019 - 16:24 Uhr

Champagner und Applaus für Neureuther

Nach Felix Neureuthers letzten Abfahrt in Andorra ploppten die Champagnerkorken, es hagelte Umarmungen und lauten Applaus für den 34-Jährigen. Ein großer Charakter verlässt die große Bühne mit einem lauten Knall.

"Er ist ein ganz besonderer Mensch"

"Es war einfach nur wunderschön, so unten empfangen zu werden von den Kollegen", schwärmte Neureuther nach seinem hart erkämpften siebten Platz im letzten Rennen. Kurz vor dem Start erinnerte sich der gebürtige Münchner noch einmal zurück an den Anfang seiner großen Karriere. Wie er in Kranjska Gora vor 16 Jahren als vorletzter Fahrer in den Riesenslalom ging, nach wenigen Toren stürzte, sich im Fangzaun verhedderte und unfreiwillig eine massive Verzögerung im Ablauf provozierte. Noch liegend hörte er den damaligen Rennchef Günther Hujara büllen: "Neureuther, du Vollidiot."

Ganze 16 Jahre später bestieg Neureuther das letze Mal als aktiver Profi seine Skier. Zwar konnte er nie Olympia-Gold oder einen Einzeltitel bei einer WM holen, allerdings gewann er die Menschen für sich mit seiner Art. Sein Konkurrent Marcel Hirscher nannte ihn "den feinsten Kerl des Skisports". Alpinchef Wolfgang Maier schwärmte: "Er ist ein ganz besonderer Mensch. Ich habe immer wegschieben wollen, dass der Tag kommt, an dem er aufhört." Auch von Fußball-Weltmeister Thomas Müller kamen herzliche Grüße: "Danke dir für die vielen großartigen Momente, Felix", schrieb der Bayern-Profi.

Neureuther als Skilehrer?

Einer seiner besten Freunde ist Fußballprofi Bastian Schweinsteiger. "Schweinis" Ehefrau Ana Ivanovic wünscht sich nun von Neureuther Skiunterricht. "Die Chancen stehen sehr gut", meinte dieser und konnte es nicht lassen, seinem Kindheitsfreund einen Spruch reinzudrücken: "Sie soll froh sein, dass es nicht der Basti macht. So wie der mittlerweile auf Ski steht, da kann sie nicht viel lernen." So ist er halt, der Felix Neureuther.

Familie im Mittelpunkt

Den Humor hat er, trotz der durch viele Verletzungen gespickten Karriere, nie verloren. Die wohl schmerzvollste Verletzung war der Kreuzbandriss im Dezember 2017. Damals steckte Neureuther in einem absoluten Formhoch. "In diese Saison (vor der Verletzung, Anm.) habe ich noch mal alles reingesteckt, was ich hatte. Das hat danach einen Bruch gegeben, das war schwierig für mich - auch von der Motivation her." Trotzdem ist er stolz auf sich: "Ich kann mir nichts vorwerfen. Bis zum Schluss habe ich gekämpft, wie meine ganze Karriere."

Doch wie verbringt der Bayer nun seine Zeit, abgesehen von Skiunterricht für Ivanovic? Die Familie, Ehefrau Miriam und die eineinhalb Jahre alter Tochter Matilda sollen im Mittelpunkt stehen. "Wir sind als Eltern für ein kleines Mädel verantwortlich. Der wollen wir ein schönes Leben bieten", sagte Neureuther bestimmt.