Letzte Schlacht in Idlib: Eine Stadt wird zur Todesfalle - Dreier-Gipfel bleibt ohne Lösungen

11. September 2018 - 21:25 Uhr

Es droht eine humanitäre Katastrophe

Eine Offensive syrischer Regierungstruppen in der Region Idlib scheint unausweichlich. Die Präsidenten Russlands, der Türkei und des Iran konnten sich bei einem Treffen in Teheran nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Idlib ist die letzte von den Rebellen gehaltene Region in Syrien, drei Millionen Zivilisten leben dort. Die UN warnt vor einer humanitäre Katastrophe mit hunderttausenden Flüchtlingen.

Drei Millionen Menschen sind bedroht

Die Türkei konnte Russland und den Iran als Verbündete Syriens nicht von einer Waffenruhe in der Provinz überzeugen. Damit scheint der Weg für eine Offensive gegen Idlib frei zu sein. Die könnte neben den Rebellen auch rund drei Millionen Zivilisten treffen.

Russland, Iran und die Türkei veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der man sich entschlossen zeigte,  Zivilisten zu schützen und die humanitäre Situation zu verbessern. Man wolle gemeinsam die Operationen gegen Terroristen fortsetzen, die mit Al-Kaida oder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbunden seien.

Erdogan fürchtet massive Fluchtbewegungen

Der iranische Präsident Ruhani sagte nach dem Treffen, man wolle "die Terroristen zunächst ermuntern ihre Waffen umgehend niederzulegen und ihren bewaffneten Kampf gegen die syrische Regierung aufzugeben". Aber Rebellenführer hatten schon angekündigt, bis auf den Tod kämpfen zu wollen.

Zuvor hatten die drei Präsidenten in einer Art "Blitzgipfel" ihre Stellungnahmen ausgetauscht, ohne dass sie sich erkennbar aufeinander zubewegten. Erdogan pochte mehrfach auf die Festschreibung einer Waffenruhe. Man könne die Menschen von Idlib nicht der Gnade des syrischen Regimes überlassen, sagte er. Ein Angriff würde in ein Massaker und eine humanitäre Tragödie münden.

Die Türkei ist die Schutzmacht der Rebellen und hat in Idlib zwölf Beobachtungsposten, die die Einhaltung eines Deeskalationsabkommen sichern sollen. Die Türkei fürchtet im Fall der Offensive massive Fluchtbewegungen in Richtung Türkei. Sie hätten schon begonnen, warnte Erdogan.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Putin: Die syrische Regierung hat das Recht ihr ganzes Territorium kontrollieren

Russland und der Iran wiederum beharrten auf eine Fortsetzung der Kämpfe gegen Terroristen. Ruhani sagte: "Wir wollen Frieden, aber manchmal muss auch für den Frieden gekämpft werden." Nach Ansicht Putins sollte die syrische Regierung ihr ganzes Staatsgebiet unter ihre Kontrolle bringen. "Die rechtmäßige syrische Regierung hat das Recht und sollte ihr ganzes nationales Territorium kontrollieren", sagte er. Eine Lösung für das Bürgerkriegsland sei nur so möglich.

Während des Gipfels in Teheran setzten Kampfjets ihre Angriffe auf Idlib fort. Mindestens elf Bombardements der syrischen Regierung und Russlands zählte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dabei seien ein Hauptquartier der islamistischen Gruppe Ahrar al-Scham zerstört und ein Extremist getötet wurden. Mehrere Zivilisten seien verletzt worden.

Menschen in Idlib protestieren gegen die erwartete Militäroffensive

Gleichzeitig protestierten in Idlib Tausende Menschen gegen die erwartete Militäroffensive. In der Provinzhauptstadt hüllten sich Demonstranten in Flaggen von Oppositionsgruppen und hielten Banner hoch mit Aufschriften wie: "Ich bin ein Bürger Idlibs und ich habe das Recht, in Würde zu leben."

UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura, der am Freitag per Videotelefon zu einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zugeschaltet wurde, forderte, die syrische Regierung müsse Fluchtwege für diejenigen zulassen, die die Stadt freiwillig verlassen wollten. "98,8 Prozent" der Bevölkerung dort seien Zivilisten, darunter Lehrer, Ärzte und Ingenieure.


Quelle: DPA / RTL.de