Hoffnung auf Comeback im Sauerland

Letzte Chance für Friedrich Merz: Der Showdown im Sauerland

16. April 2021 - 16:42 Uhr

von Henning Werle

Während alle auf den Kampf Laschet gegen Söder schauen, kommt es morgen im Sauerland zu einem weiteren spannenden Polit-Duell. Friedrich Merz will zurück in den Bundestag. Dafür müssen ihn seine Parteifreunde von der CDU Hochsauerlandkreis aber erstmal zum Kandidaten machen. Ein Durchmarsch wird das nicht. Denn der aktuelle Abgeordnete Patrick Sensburg will den Platz nicht kampflos räumen. Und die Sauerländer fragen sich: Geht es Merz um die Region, oder um die letzte Chance auf ein Comeback?

Showdown im Stadion

Stadion "Große Wiese" in Arnsberg
Stadion "Große Wiese" in Arnsberg
© RTL

Wo sonst der SV Hüsten 09 in der NRW-Landesliga um jeden Sieg kämpft, da kämpft Friedrich Merz am Samstag um sein politisches Schicksal: Im Stadion "Große Wiese" in Arnsberg. Der CDU-Kreisverband Hochsauerlandkreis wählt hier ihren Kandidaten für den Bundestagswahlkampf. Friedrich Merz (65) tritt gegen Patrick Sensburg (49) an. Der vertritt aktuell den Wahlkreis in Berlin. Bernd Rahmann, Arnsberger Original und Stadionsprecher, kommentiert den Showdown im Stadion: "Merz ist damals ausgeschieden und wurde ausgewechselt. Für ihn kam Patrick Sensburg ins Spiel. Der hat jahrelang gut gespielt, und würde auch gerne weiter spielen, wird aber ausgebremst durch die Kandidatur von Friedrich Merz. Man wird sehen, welcher Spieler sich durchsetzt."

Letzte Chance für Merz

 32. Bundesparteitag der CDU in Leipzig Friedrich Merz Friedrich Merz, Leipzig Deutschland Congress Zentrum *** 32 CDU Federal Party Congress in Leipzig Friedrich Merz Friedrich Merz, Leipzig Germany Congress Centre
Friedrich Merz lebt seit 27 Jahren in Arnsberg
© imago images/Sammy Minkoff, Sammy Minkoff via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Für Merz ist es die wohl letzte Chance auf ein Comeback als Politiker. Von 1994-2009 saß er für den Hochsauerlandkreis im Bundestag. War von 2000-2002 Vorsitzender der Unionsfraktion. Dann überwarf er sich mit Angela Merkel. Es folgte der Rückzug aus der Politik. Merz arbeitete wieder als Rechtsanwalt, unter anderem für Blackrock, Investment-Lobby-Champions-League. Und jetzt wieder zurück, Politik-Regionalliga sozusagen, voller Einsatz fürs Sauerland? Das zumindest verspricht er in einem Wahlaufruf- Video auf seiner Homepage.

"Ich tue das, weil ich einen Beitrag dazu leisten möchte, dass diese wunderschöne Region, dieser Hochsauerlandkreis, im deutschen Bundestag gut vertreten wird. Und ich werde mich für diesen Wahlkreis voll und ganz einsetzen."

„Eine Nummer zu klein“

Wochenmarkt in Arnsberg
Wochenmarkt in Arnsberg
© RTL

Nicht alle im Wahlkreis nehmen ihm das ab. Auch auf dem Wochenmarkt in Arnsberg sind Merz' Ambitionen Diskussionsthema. Er suche wohl nach einer Beschäftigung für den Ruhestand, sagt ein Sauerländer. Eine andere vermutet, Merz gehe es nur um seine Karriere. "Eher ums Ego," entgegnet eine weitere Kundin, "der ist verletzt, weil Merkel ihn damals geschasst hat". Aber es gibt auch andere Stimmen: "Wenn er was bewegen kann – warum nicht! Dass er Connections hat ist ja eine ganz klare Sache", meint ein älterer Herr. Ein anderer wiederum hat Zweifel, ob es Merz wirklich um die Menschen im Sauerland geht: "Ich weiß nicht, ob das bei den Ansprüchen, die der Mann hat, nicht eine Nummer zu klein ist."

Merz hat Sympathien verspielt

Peter Blume Vorsitzender CDU Stadtverband Arnsberg
Peter Blume ist Bauunternehmer und Vorsitzender CDU Stadtverband Arnsberg
© RTL

Auf der großen Bühne hat Merz hat schon zweimal das Comeback verpasst. Erst verlor er knapp 2018 knapp gegen Annegret Kramp-Karrenbauer im Rennen um den CDU-Vorsitz. Dann im Januar noch einmal – gegen Armin Laschet. Damals erhob er direkt nach der Niederlage Anspruch auf den Posten als Bundeswirtschaftsminister. Das hat auch bei den Parteifreunden in der Heimat Sympathien gekostet: "Das jemand Interesse daran hat, dieses Land nach vorne zu bringen, das muss ja nun kein Makel sein. Das ist ja erst einmal ein positives Momentum. Insofern sehe ich ihm das nach. In taktischer Hinsicht war es nicht besonders klug", erklärt Peter Blume, Vorsitzender im CDU-Stadtverband Arnsberg.

Abstimmung offen

Die Stimmenmehrheit der Parteifreunde ist Merz längst nicht sicher. Patrick Sensburg hat 2009 den Posten im Bundestag von ihm übernommen, und will sein Abgeordnetenmandat nicht kampflos hergeben: "Der Bereich Wirtschaft, der Bereich Schule - es gibt ganz viele Projekte bei uns im Hochsauerlandkreis und da möchte ich gerne mitarbeiten. Das habe ich auch in den letzten Jahren gut gemacht."

Ob gut genug, das entscheiden am Samstag 480 Delegierte. Oder bekommt Friedrich Merz seine vorerst letzte Chance auf eine Rückkehr in die Politik – und vielleicht sogar für höhere Ämter? Das Finale im Stadion "Große Wiese" in Arnsberg.

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