Lenin-Statue gestürzt: Demonstration in Kiew eskaliert

13. Dezember 2013 - 19:54 Uhr

"Weg mit dem Henker des ukrainischen Volkes"

Bei einem der größten Massenproteste seit Jahren sind in der Ukraine Hunderttausende Anhänger der proeuropäischen Opposition um Klitschko auf die Straße gegangen und forderten Neuwahlen. Aus Protest gegen den prorussischen Kurs der Regierung stürzten maskierte Demonstranten das bekannteste Denkmal von Kiew, eine meterhohe Lenin-Statue. Die Europäische Union kündigte nun erstmals eine Vermittlungsmission in der Hauptstadt der früheren Sowjetrepublik an.

Demonstration in der Ukraine eskaliert
Wütende Demonstranten stürzen die Lenin-Statue in Kiew.
© REUTERS, STRINGER

Weder die eisigen Temperaturen noch die Warnungen der Polizei konnten die Demonstranten von ihren Protesten gegen den ukrainischen Präsidenten Janukowitsch abhalten. Im Stadtzentrum von Kiew versammelten sich nach Angaben der Opposition eine halbe Millionen Menschen, Beobachter sprachen von 300.000 Teilnehmern. Am Rande der Massenproteste zogen schließlich maskierte Täter ein Stahlseil um die zentrale Lenin-Statue und kippten die Figur um, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Die rund 3,50 Meter hohe Lenin-Statue stand etwa einen Kilometer vom Unabhängigkeitsplatz entfernt. Augenzeugen berichten, der Kopf der Statue sei abgebrochen. "Jemand schlägt hier mit dem Hammer auf die Figur", sagte ein Mann. Es seien auch Schreie "Weg mit dem Henker des ukrainischen Volkes" zu hören gewesen. Ukrainische Nationalisten stören sich seit langem an der Gedenkstätte für den sowjetischen Revolutionsführer. Bereits 2009 war die Statue von Unbekannten demoliert worden.

Die Sicherheitsbehörden haben jetzt die Ermittlungen gegen die Opposition wegen angeblicher Umsturzversuche eingeleitet. Der mit staatsanwaltlichen Befugnissen ausgestattete Inlandsgeheimdienst 'SBU' teilte nach Angaben der Agentur Interfax mit, dass ein versuchter Staatsstreich mit fünf bis zehn Jahren Gefängnis bestraft werden könne. Es wurden jedoch keine Angaben darüber gemacht, gegen wen die Justiz ermittelt.

Klitschko forderte "friedliche Mittel"

Zuvor hatte sich Oppositionsführer Vitali Klitschko beim so genannten 'Marsch der Millionen' optimistisch gezeigt: "Ich bin überzeugt, dass wir die Regierung mit friedlichen Mitteln stürzen können." Die Proteste dauern nun bereits knapp drei Wochen an. Auch im westukrainischen Lwiw (Lemberg) und in Dnjepropetrowsk gingen Tausende auf die Straße. Klitschko hatte die Regierungsgegner zu einer regen Teilnahme aufgerufen. "Mehr als eine Million Menschen müssen Präsident Viktor Janukowitsch klarmachen, dass er unsere Bedingungen erfüllen muss", sagte der 42-Jährige

Die inhaftierte frühere Regierungschefin Julia Timoschenko warnte die Opposition vor Kompromissen mit der Führung des Landes. "Gebt nicht auf, und setzt Euch nicht mit denen an einen Tisch", forderte die 53-Jährige in einer Erklärung. Ein Dialog mit der Führung sei nur möglich, wenn Janukowitsch sofortigen Neuwahlen zustimme.

Mit der Kundgebung wollen die Regierungsgegner neuen Druck auf die Führung ausüben. Janukowitsch hatte ein Abkommen über eine engere Zusammenarbeit mit der EU gestoppt und zuletzt mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin über billigere Gaslieferungen verhandelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Gruppe der konservativen Parteien in der EU (EVP) wollen Klitschko dem Magazin 'Der Spiegel' zufolge durch gemeinsame Auftritte stärken. Geplant sei, den Boxer zum Oppositionsführer und Gegenkandidaten von Janukowitsch aufbauen.

Die EU-Kommission kündigte an, dass die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Kürze zu Gesprächen nach Kiew reisen werde. Sie wolle dort helfen, nach einem Weg aus der politischen Krise zu suchen.