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Leipzig: Zweijährigem hätte geholfen werden können

Leipzig: Zweijährigem hätte geholfen werden können

Nachbarn hörten Hilferufe

Das furchtbare Drama um den verdursteten Zweijährigen aus Leipzig nimmt noch tragischere Züge an: Dem Jungen, der tot neben seiner leblosen drogensüchtigen Mutter gefunden wurde, hätte offenbar geholfen werden können. Das Kind soll in der Wohnung um Hilfe geschrien haben. Nachbarn hätten die Hilferufe gehört, sagte ein Polizeisprecher. Da der Junge in den vergangenen Monaten aber immer wieder geschrien haben soll, informierte niemand die Polizei.

Leipzig: Zweijähriger verdurstet
In diesem Haus in Leipzig verdurstete der Zweijährige neben seiner toten Mutter.
dpa, Peter Endig

Das Kleinkind war zusammen mit seiner 26 Jahre alten Mutter leblos in einer Wohnung im Stadtteil Gohlis gefunden worden. Obwohl vorläufige Obduktionsergebnisse bei beiden einen natürlichen Tod nahe legen, beschäftigt der Fall die Staatsanwaltschaft. Hinweise auf eine Gewalttat gibt es bisher nicht. Das Kind ist wahrscheinlich Tage nach dem Tod der Mutter verdurstet.

"Wir prüfen derzeit in mehrere Richtungen, ob möglicherweise Unterlassungshandlungen vorliegen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz. Derzeit lägen jedoch noch keine Anhaltspunkte dafür vor. Es sei zu klären, ob beim Jugendamt oder dem Allgemeinen Sozialdienst Versäumnisse vorliegen. Auch das Verhalten der Nachbarn werde von den Ermittlern geprüft.

Die Stadt will nach Angaben von Sprecher Matthias Hasberg Drogenhilfe, Gesundheitsamt, Sozialdienst und Jugendamt an einen Tisch holen. "Wir wollen sichergehen, dass es bei der Betreuung der Mutter tatsächlich keine Lücke gab." Diese habe nach bisherigen Kenntnisstand ihr Kind nie vernachlässigt, fügte er hinzu.

Jugentamt wusste von Drogensucht

Das Jugendamt hatte bestätigt, dass die Mutter dem Amt seit ihrem 16. Lebensjahr wegen ihrer Drogensucht bekannt war. Sie wurde vom Allgemeinen Sozialen Dienst ASD seit 2009 betreut. Den letzten persönlichen Kontakt gab es Amtsleiter Siegfried Haller zufolge am 10. April 2012. Die Frau wollte mit ihrem neuen Lebensgefährten die Stadt verlassen.

Prekär sei, dass nach bisherigem Kenntnisstand genau an diesem Punkt das neue Kinderschutzgesetz nicht gegriffen habe, sagte die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Paula Honkanen-Schoberth. Das seit Januar gültige Gesetz regele eindeutig, wie in Risikofällen wie dem Leipziger eine lückenlose und kontinuierliche Betreuung gewährleistet werden muss. "Zieht jemand um, müssen Unterlagen mit einem persönlichen Gespräch weitergegeben werden." Hier habe das Jugendamt möglicherweise versagt.

Der Leipziger Kinderpsychiater Kai von Klitzing forderte ein schärferes Kontrollsystem. Seien Drogenabhängige Eltern, "so handelt es sich um eine Hochrisikosituation", sagte der Direktor der Leipziger Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der 'Leipziger Volkszeitung'. Hier müssten engmaschige und regelmäßige Kontrollen greifen. So sollten Kinder drogenabhängiger Eltern wöchentlich beim Kinderarzt vorgestellt werden und ebenso oft Besuch von einer Familienhelferin bekommen. Auch der Besuch einer Kindertagesstätte sollte Pflicht sein.