Leichenfund in der Elbe: Ist der Tote der vermisste Familienvater Marco Schulze?

20. August 2015 - 9:53 Uhr

"Erweiterter Suizid wahrscheinlich"

Nach dem Leichenfund in der Elbe verdichten sich die Indizien, dass es sich bei dem Toten um den vermissten Familienvater aus dem niedersächsischen Drage handelt. Von seiner Frau und seiner zwölfjährigen Tochter fehlt aber weiter jede Spur. Die Familie wird seit einer Woche vermisst. Eine Obduktion soll jetzt Klarheit bringen.

Leichenfund in der Elbe bei Lauenburg
Die Leiche hat vermutlich mehrere Tage im Wasser gelegen.
© Timo Jann

In der Morgendämmerung zogen Taucher die Leiche in Lauenburg aus dem Fluss – nur 20 Kilometer elbaufwärts vom Ort Drage, dem Wohnsitz von Familie Schulze. Anwohner hatten den Toten im Wasser treiben sehen und die Polizei verständigt. Die Leiche war mit einem Betonklotz von etwa 25 Kilogramm beschwert, so wie sie für mobile Baustellenzäune verwendet werden. Bereits mehrere Tage muss sie im Wasser gelegen haben, vermutet der zuständige Notarzt.

Unweit des Fundortes wurde auch das Fahrrad des 41-Jährigen gefunden. "Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nach jetzigen Erkenntnissen nicht", teilte die Polizei Ratzeburg mit. Sollte sich die Identität bestätigen, bekämen die Ermittlungen eine konkrete Richtung, sagte Polizeisprecher Jan Krüger: "Ein erweiterter Suizid wird dadurch wahrscheinlicher". Allerdings könne auch ein Unfall oder eine Gewalttat derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Familie galt als unauffällig

Der Fall gab den Ermittlern von Anfang an Rätsel auf. "Ich möchte hier nicht Spekulationen Tür und Tor öffnen. Aber wir betrachten das natürlich schon mit Sorge, weil es äußerst ungewöhnlich ist, dass eine komplette Familie tagelang verschwindet und niemand kann irgendetwas zum Aufenthaltsort bekannt geben", sagte Krüger vergangene Woche.

Der 41-Jährige war am vergangenen Donnerstag das letzte Mal im Auto der Familie bei Drage gesehen worden, die Spuren von Frau und Tochter verloren sich schon am Tag zuvor. Das war der letzte Schultag in Niedersachsen vor den Sommerferien. Im schon bezahlten Reiterurlaub sei die Tochter nicht angekommen, berichteten Zeitungen später. Ein spontaner Kurzurlaub der Familie sei äußerst unwahrscheinlich, musste Krüger in den kommenden Tagen immer öfter wiederholen, viel konnte er den Journalisten nicht sagen.

Seit die Suche in der unmittelbaren Umgebung eingestellt wurde, konzentrierten sich die Ermittler auf Aussagen von Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunden und Verwandten. "Von der Familie haben uns die Zeugen ein eher unauffälliges Bild beschrieben", sagte Krüger. Die Vermissten seien eine "ganz normale Familie", betonte auch ein Nachbar. Es könnte eine Tragödie in mehreren Akten werden: "Wir haben am Fundort des Toten Spürhunde auf Booten im Einsatz", so Krüger. "Wir wollen so herausfinden, wo die Person ins Wasser gelangte oder ob dort weitere Tote zu finden sind".