Leichenbild im Internet - Eltern verklagen Facebook

Rechtsanwalt Ravi Batra und Familie Wimmer verkünden Anklage gegen Facebook
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05. April 2011 - 6:08 Uhr

Grausamer Mord an Amerikanerin fotografiert

Vor zwei Jahren wurde die Amerikanerin Caroline Wimmer (26) mit einem Föhnkabel erwürgt. Zwei Tage später entdeckten die Eltern, Martha und Ronald Wimmer, die Leiche in der Wohnung in Staten Island, New York. Die junge Frau wurde Opfer eines Eifersuchtsdramas. Ihr Ex-Freund Calvin Lawson hatte sie geschlagen und erwürgt, weil Caroline seiner neuen Freundin von einem angeblichen Seitensprung erzählt hatte.

Damit nicht genug. Rettungshelfer Mark Musarella war als Erster am Tatort. Mit seinem Handy machte er ein Foto von dem Opfer und veröffentlichte es direkt auf der Internetplattform Facebook. Dafür wurde er mit 200 Sozialstunden belegt. Für die Mutter eine viel zu milde Strafe, die weder die Tat rechtfertige, noch ungeschehen mache. "Es fühlt sich an, als habe Mark Musarella das letzte Stück Würde, das ihr noch blieb, genommen", sagte Carolines Schwester, Christina Criscitello der 'New York Daily News'.

Harsche Forderungen an Facebook

Jetzt klagt die Familie Facebook an. Sie verlangen, dass ihnen das Foto von Caroline zurück gegeben und im Internet vollständig gelöscht wird. Außerdem sollen alle Facebooknutzer ausfindig gemacht werden, die das Bild angesehen und heruntergeladen haben, um den Zugriff auf das Bild zukünftig zu unterbinden. Die Einsicht auf Musarellas bereits gesperrte Seite ist aber nur möglich, wenn er seine Einwilligung dazu gibt.

Andrew Noyes, Sprecher von Facebook, sagte der 'New York Daily News', dass die Klage wertlos sei und dass sie sich energisch dagegen verteidigen werden. Auch Internetexperte Parry Aftab meint, Facebook habe nichts zu befürchten, da das Internetportal durch ein Gesetz geschützt sei. Dieses besagt, dass Facebook für die Veröffentlichung des Horrorbildes nicht verantwortlich ist, da es durch Dritte ins Internet gesetzt wurde. Die Schwester der Ermordeten betonte in der 'New York Times', sie wollen Facebook nicht des Geldes wegen anklagen. Vielmehr möchte die Familie, dass sich etwas verändert, damit zukünftig Familien von Opfern ihre Erfahrung nicht erleben müssen.