Minnesota: Polizei findet Leiche von entführtem Jacob Wetterling nach 27 Jahren

Die Eltern von Jacob Wetterling haben die Suche nach ihrem entführten Sohn nie aufgegeben.
Die Eltern von Jacob Wetterling haben die Suche nach ihrem entführten Sohn nie aufgegeben.
© picture alliance / AP Photo, Dave Schwarz, JM CD**NY**

07. September 2016 - 15:05 Uhr

Traurige Gewissheit: Jacob Wetterling ist tot

Vor 27 Jahren wurde in St. Joseph im US-Bundesstaat Minnesota ein elfjähriger Junge gekidnappt. Bislang fehlte von dem Kind jede Spur. Niemand wusste, ob Jacob Wetterling noch lebte, wer ihn entführt hatte oder was dem Kind zugestoßen war. Nun konnte der Fall, der damals für große Anteilnahme sorgte, gelöst werden. 27 Jahre, nachdem ihr Kind verschwand, haben die Eltern Patty und Jerry Wetterling traurige Gewissheit: Jacob ist tot.

Der Junge wurde im Oktober 1989 entführt, als er zusammen mit seinem Bruder und einem Freund auf dem Fahrrad unterwegs war. Ein maskierter Mann bedrohte die Kinder mit einer Waffe und zwang Jacob mit ihm zu kommen, die anderen beiden Jungen ließ er laufen.

Jetzt wurden nicht weit vom Ort der Entführung die sterblichen Überreste des Kindes gefunden. Ein Mann, der wegen des Verdachts von Kinderpornografie in Untersuchungshaft sitzt, führte die Polizei zu Jacobs Leiche, die auf seiner Farm in Paynesville vergraben war. Der mutmaßliche Entführer geriet offenbar schon kurz nach Jacobs Verschwinden ins Visier der Fahnder und wurde vernommen. Damals mangelte es den Ermittlern allerdings an Beweisen, um ihn zu verhaften, berichtete die Zeitung 'Star Tribune'. Die Polizei verfolgte damals rund 50.000 mögliche Spuren, auch im Ausland – ohne Erfolg. Der Verdacht gegen den Mann erhärtete sich erst im Zuge anderer Ermittlungen.

"Unsere Herzen sind gebrochen"

Jacobs Eltern hatten die Suche nach ihrem Sohn nie aufgegeben und bis zuletzt gehofft, dass Jacob noch lebt. "Unsere Herzen sind gebrochen", schrieb die Mutter in einer SMS an mehrere Medien, nachdem bekannt wurde, dass Jacob tot ist. "Uns fehlen die Worte." Mit einer riesigen Suchkampagne hatten die Eltern die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Das lächelnde Gesicht des Jungen erschien auf vielen Flugblättern und Plakaten, sodass es sich bei Millionen Menschen ins Gedächtnis brannte.

Der Kriminalfall hatte in den USA große Wellen geschlagen und für neue Gesetzesmaßnahmen zum Schutz von Kindern geführt. Der Fall veranlasste den US-Kongress 1994 zur Einführung einer nationalen Datenbank, in der verurteilte Sexualtäter registriert sind. Jacobs Eltern gründeten ein Informationszentrum, das sich dem Schutz von Kindern vor Sexualtätern verschrieben hat.

Die Nachricht von der Entdeckung des Grabes löste in Minnesota große Trauer aus. Auch nach 27 Jahren bewegte der Entführungsfall immer noch viele Menschen. Viele Einwohner von Minnesota hatten seit dem Verschwinden des Jungen nachts das Licht an ihrer Eingangstür brennen lassen, als ein Symbol der Hoffnung, dass Jacob eines Tages den Weg zurück nach Hause findet.