Lehrerverband warnt vor "Immigranteninvasion"

11. November 2015 - 11:50 Uhr

"Das grenzt an Hetze"

Ein Lehrerverband in Sachsen-Anhalt hat in seiner Mitgliederzeitung über die "Immigranteninvasion" gewarnt. Wegen der steigenden Flüchtlingszahlen seien vor allem junge Frauen gefährdet. Deswegen fordert der Verband Aufklärung, damit sie sich nicht "auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen".

Junge Flüchtlinge
Die Aussagen eines Lehrerverbandes über Flüchtlinge sorgen derzeit für Empörung bei Bildungspolitikern.
© dpa, Boris Roessler

Diese Aussagen sorgen derzeit für Empörung bei Bildungspolitikern. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) kritisierte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, der Verband würde "Gerüchte verstärken, Halbwahrheiten verbreiten und unsere Werte als Keule benutzen". "Das grenzt an Hetze", kritisierte die Linken-Landesvorsitzende Birke Bull den Verband. "Das ist inhaltlich auf einem unterirdischen Niveau, das bedient Vorurteile und den rechten Rand", sagte Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert.

Stein des Anstoßes sind zentrale Passagen eines Artikels in der aktuellen Verbandszeitschrift der Lehrergewerkschaft, unterzeichnet von Verbandschef Jürgen Mannke. Darin heißt es, es sei nicht zu übersehen, dass "viele junge, kräftige, meist muslimische Männer" ins Land kämen. Und zwar "nicht immer mit den ehrlichsten Absichten". Die "oft auch ungebildeten Männer" hätten ein Bedürfnis nach Sexualität. Und schon jetzt höre man "aus vielen Orten in Gesprächen mit Bekannten, dass es zu sexuellen Belästigungen" komme - "vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten". Deshalb müssten sich die "verantwortungsvollen Pädagogen" des Verbandes nun fragen, wie man Mädchen ab zwölf Jahren vor Sex mit muslimischen Männern warnt.

Verbandschef Mannke wies gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung die Kritik zurück. "Ich bediene keine rassistischen Ressentiments", sagte er. "Wir machen uns Sorgen." Was in dem Artikel stehe, sei die Wahrheit. "Ich habe mir vor 1989 nicht den Mund verbieten lassen und tue das jetzt auch nicht", so Mannke.