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Heinz-Peter Meidinger: "Das ist eigentlich unentschuldbar"

Lehrerpräsident prangert deutsches Bildungssystem an

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Foto: Armin Weigel/Archiv
Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Foto: Armin Weigel/Archiv
© deutsche presse agentur

25. Januar 2021 - 20:48 Uhr

Meidingers Buch: Die Todsünden der Schulpolitik

Der Bildungsföderalismus funktioniert nicht, die Länder finden kein Rezept gegen den Lehrermangel, die Digitalisierung läuft mangelhaft: Der Zustand der deutschen Schulpolitik ist ausgesprochen schlecht. Aktuell ärgert den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, vor allem, dass seit Beginn der Pandemie so wenig passiert ist. Die Kultusministerinnen und -minister hätten "wenig dafür getan, um die Schulen für eine neuerliche Distanzunterrichtsphase zu wappnen", sagt er im Interview mit ntv.de.

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"Dass seit März so wenig passiert ist, ist eigentlich unentschuldbar"

Bei seiner Kritik am Umgang mit der Pandemie geht Meidinger aber noch einen Schritt weiter. "Sie haben sich selbst eingeredet, man könne die Schulen auf Teufel komm raus offenhalten. Schon im September hätte man die Lernplattformen testen müssen, für den Fall, dass ein zweiter Lockdown kommt. Aber das ist völlig tabuisiert worden." Außerdem sei das Schulsystem mal wieder nicht mit der nötigen Wichtigkeit bedacht worden. "Für die Wirtschaft hat die Politik dreistellige Milliardenbeträge in die Hand genommen. Die Bildung kam dabei nur am Rande vor."

Und auch bei den inzwischen bereitgestellten Finanzhilfen für Laptops, WLAN, etc. sei noch viel Nachholbedarf. "Noch immer sind erst zehn bis fünfzehn Prozent der Mittel bewilligt und maximal drei bis vier Prozent bei den Schulen angekommen. Das versteht niemand", so Meidinger.

Meidinger fordert bessere Abstimmung und Zusammenarbeit

Im Interview mit ntv.de kritisiert Meidinger auch die Zusammenarbeit der Länder. "Da ist man fast versucht, zu sagen, die Ursünde der deutschen Schulpolitik ist der Bildungsföderalismus."

Trotzdem glaubt Meidinger, dass es ohne Bildungsföderalismus, also mit einem deutschlandweit einheitlichen Schulsystem nicht besser laufen würde. "Dass ein zentralistisches System besser wäre, daran habe ich meine ganz großen Zweifel. Wir dürfen uns aber nicht dauerhaft damit abfinden, dass beispielsweise Kinder in Bremen Lernrückstände von bis zu zweieinhalb Jahren zu denen in Sachsen haben."

Meidinger: Kultusminister müssen Regeln beschließen können

Für eine bessere Zusammenarbeit bräuchte es nach Meinung des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes vor allem eins: ein Gremium, das auch Regeln festsetzen kann. "Denn die KMK ist ja eigentlich ein Nicht-Gremium. Sie ist immer davon abhängig, dass die einzelnen Länder die getroffenen Vereinbarungen auch umsetzen", so Meidinger. Deshalb gab es in den letzten Jahren auch den Versuch der Kultusministerkonferenz – kurz KMK – mehr Befugnisse zu verleihen "Diesen Plan hat man aber leider kürzlich klammheimlich beerdigt."

"Gleiche Chancen für Schüler:innen überall in Deutschland"

Eine verpasst Chance, die laut Heinz-Peter Meidinger aber nur ein Puzzleteil im mangelhaften Schulsystem der Bundesrepublik ist. "Die praktische Schulpolitik scheitert in der Regel an zwei Problemen: am Geld und am Lehrermangel."

Grund für den Lehrermangel ist laut Meidinger zum einen, dass der Beruf zu unattraktiv ist. "Es war zudem ein Riesenfehler, dass der Staat in allen Bundesländern tatenlos zugesehen hat, wie die Universitäten die Studienplätze für das Lehramt abgebaut haben - erst seit zwei, drei Jahren werden es wieder mehr." Und Meidinger hat auch die Lösung parat. Um einen Mangel an Lehrern zu vermeiden, müsse der Staat auch dann Lehrer einstellen, wenn es eigentlich genug gäbe. "Mit den Lehrern, die zusätzlich eingestellt würden, könnte man sich Dinge leisten, die sonst nicht möglich sind: kleinere Klassen, zusätzliche Kurse und Ähnliches."

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