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Lehrermangel in Deutschland: Mehr Quereinsteiger an Problemschulen

Lehrermangel in Deutschland: Mehr Quereinsteiger an Problemschulen

Mehr Quereinsteiger unterrichten an Brennpunktschulen.
Immer mehr Quereinsteiger unterrichten an Brennpunktschulen (Symbolbild).
jst axs uk hoh, dpa, Julian Stratenschulte

Studie der Bertelsmann-Stiftung schaut auf Berliner Grundschulen

Quereinsteiger im Lehrerberuf – das ist keine Seltenheit mehr. Wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung für das Bundesland Berlin zeigt, arbeiten immer mehr Quereinsteiger vor allem an Brennpunktschulen. Mit der Unterstützung der Quer- und Seiteneinsteiger müssen die Jugendlichen wenigstens nicht unter dem Lehrermangel leiden.

Nur ein Achtel der Lehrer hat einen Abschluss

Bei der Studie der Bertelsmann-Stiftung wird auf einen Blick deutlich, dass die Zahl der Quer- und Seiteneinsteiger an Grundschulen in Berlin stark zunimmt. Demnach verfügte zu Beginn dieses Schuljahres 2018/19 nur ein Achtel der neu eingestellten Lehrkräfte über einen Lehramtsabschluss. Bereits in den letzten Jahren war ein deutlicher Anstieg der Quereinsteiger an Grundschulen zu erkennen: Im Schuljahr 2016/17 machten diese noch 4,3 Prozent aller Lehrer an Grundschulen aus, im Jahr darauf waren es bereits 6,5 Prozent.

Doppelt so viele Quereinsteiger unterrichten an Brennpunktschulen

Wie sich die Quereinsteiger auf die Grundschulen verteilen, hängt stark davon ab, wie viele Kinder aus armen Verhältnissen die jeweilige Schule besuchen. Gemessen wurde das anhand der Anzahl der Kinder, die ein Recht auf Lernmittelbefreiung haben. Laut der Studie unterrichten doppelt so viele Quereinsteiger an Brennpunktschulen wie an Schulen mit Kindern aus finanziell abgesicherten Familien. An Schulen mit besser gestellten Kindern machen Quereinsteiger somit fünf Prozent des Lehrerkollegiums aus, an Schulen mit schlechter gestellten Kindern lag der Anteil der Quereinsteiger bei knapp 10 Prozent.

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Herausforderung und Überforderung für Quereinsteiger

Angesichts des Lehrermangels in Deutschland sei es besonders wichtig, die Quereinsteiger zu fördern, um somit die Unterrichtssituation zu verbessern, sagt Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Er blickt allerdings besorgt auf die jetzige Entwicklung von Quereinsteigern an Brennpunktschulen: "Je mehr Quereinsteiger an eine Schule kommen, desto größer ist der Aufwand für die erfahrenen Kollegen, diese ans Unterrichten heranzuführen." Für die unerfahrenen Lehrkräfte ist somit der Einstieg an einer Brennpunktschule durch die ohnehin anspruchsvolle Situation eine echte Herausforderung oder auch Überforderung.

Mehr Rentner als Quereinsteiger einstellen

Als Lösungsansatz schlägt die Studie vor, dass Brennpunktschulen für ausgebildete Lehrer wieder attraktiver gemacht werden müssten. Das heißt: eine bessere materielle und personelle Ausstattung sowie attraktivere Entwicklungsmöglichkeiten für die Lehrkräfte. Dräger befürwortet auch das Unterstützungskonzept "Querber" der Berliner Bildungsverwaltung, das gezielt Rentner als Quereinsteiger vorschlägt. Der Lehrermangel an Grundschulen sei aber nicht nur in Berlin ein Problem und werde sich in den nächsten Jahren zuspitzen.