Allensbach-Studie

Lehrer finden Medienkompetenz wichtig - haben aber selber große Lücken

Ein Lehrer sitzt am 17.08.2016 vor einem Smartboard im Biologie-Leistungskurs einer 13. Klasse an einer Integrierten Gesamtschule in Hannover (Niedersachsen). Das neue Schuljahr hat begonnen - und die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen ist aus Si
Vielen Lehrern ist Medienkompetenz wichtig – sie haben aber offenbar selbst große Lücken, wie nun eine Studie des Allensbach-Instituts zeigt.
jst, dpa, Julian Stratenschulte

Zu wenig Zeit im Lehrplan

Vielen Lehrern ist Medienkompetenz wichtig – sie haben aber offenbar selbst große Lücken, wie nun eine Studie des Allensbach-Instituts zeigt. Die befragten Lehrer bemängeln außerdem, dass es zu wenig Zeit für die Vermittlung von Nachrichtenkompetenzen im Lehrplan gibt.

55 Prozent finden Vermittlung von Nachrichtenkompetenz wichtig

Demnach gab nur gut jeder Dritte (37 Prozent) an, dass der zeitliche Rahmen im Lehrplan ausreichend sei, um den Schülern ein Grundverständnis zur Nachrichtenkompetenz mitzugeben. Zugleich ist vielen Lehrkräften das Thema wichtig: Laut Befragung sagten 55 Prozent, dass die Vermittlung in der Schule von Nachrichtenkompetenz, also Nachrichten in den Medien verstehen und einordnen zu können, „besonders wichtig“ sei - in den westlichen Bundesländern ist der Anteil größer als in Ostdeutschland. Und insgesamt halten nur 5 Prozent das Ganze für „weniger wichtig“.

Für die Studie zur Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in der Schule sprach das Institut für Demoskopie Allensbach im Frühjahr im Auftrag der Stiftervereinigung der Presse mit mehr als 500 Lehrkräften.

Meist genutztes Anschaungs-Medium im Unterricht: die Zeitung!

Die Studie zeigte aber auch Lücken im Wissen der Lehrer:

  • So ist das mit Abstand am häufigsten genutzte Anschauungsmaterial zum Thema Medien die gedruckte Zeitung, auch im Rahmen von Projekten. Die meisten Lehrer gaben an, dass der Lehrplan zu wenig Zeit ließe, um den Schülern mehr als Basiswissen zu vermitteln.
  • Viele Lehrer, gerade unter 40, informieren sich laut Studie selbst nicht mehr regelmäßig über das aktuelle Zeitgeschehen.
  • Knapp ein Viertel der Lehrer gibt laut Studie sogar an, nur wenig Vertrauen in die Medien zu haben.
  • 19 Prozent der Lehrer glaubten sogar, dass viele Nachrichten, die eigentlich wichtig sind, verschwiegen würden und nur in sozialen Netzwerken zu finden seien.

Die überwiegende Mehrheit der befragten Lehrer findet aber, dass die Qualität der Medien alles in allem „sehr gut“ beziehungsweise „gut“ sei (insgesamt zusammen 72 Prozent). Im Osten falle die Bewertung schlechter aus als bei befragten Lehrkräften im Westen. Zugleich stimmten aber auch insgesamt 50 Prozent der Aussage zu, dass „in den Medien immer weniger Wert auf eine Prüfung von Fakten und Quellen gelegt“ werde.

„Angesichts der alarmierenden Verbreitung von sogenannten Fake News und Verschwörungstheorien wird es immer wichtiger, Kinder und Jugendliche so fit zu machen, dass sie kompetent mit Nachrichten und ihren Quellen umgehen können,“ sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer und Auftraggeber der Studie, Dietmar Wolff. Gerade in Zeiten von Corona werde gut ausgebildetes Lehrpersonal benötigt, das flexibel auf Informationsbedürfnisse reagiere.

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