Klage abgewiesen

Lehrer bemängelt Mehrarbeit: Prozess in Hannover

31.08.2020, Schweiz, Chiasso: Schülerinnen und Schüler einer Grundschule sitzen an ihrem ersten Schultag nach den Ferien im Klassenzimmer. Für die Schüler bis 12 Jahre besteht im Kanton Tessin keine Maskenpflicht, für die Lehrer gilt Maskenpflicht in
Lehrer im Unterricht
k_bjh ihe fgj, dpa, Elia Bianchi

Arbeiten Lehrer zu viel?

Für Beamte gilt die 40-Stunden-Woche. Doch ein Grundschulleiter aus Hannover kommt laut eigener Aussage auf eine 53-Stunden-Woche und hat deswegen vor dem Verwaltungsgericht in Hannover geklagt. Er forderte dabei vom Land Freizeitausgleich für Mehrarbeit im Umfang von mehr als acht Stunden wöchentlich – die Klage wurde aber jetzt abgewiesen.

Lehrer hätte laut Gericht die Mehrarbeit verhindern können

Bei seiner Begründung sagte der Verwaltungsrichter Martin Goos, dass der Rektor falsche Schwerpunkte gesetzt habe und zu wenig Aufgaben delegiert habe, die eventuell zu weniger Überstunden geführt hätten. „Es geht nicht generell um die Frage, ob Lehrer und Schulleiter in Niedersachsen zu viel arbeiten, es geht darum, ob der Herr individuell Anspruch auf Entlastung und Freizeitausgleich hat“, so Goos. Aus Sicht des Verwaltungsgerichts in Hannover habe er das nicht.

„Die Tätigkeiten, die über das Unterrichten hinaus gehen, haben massiv zugenommen“

Der Fall ist der erste von insgesamt 13 Lehrerklagen, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wegen Mehrarbeit und Überlastung angeht. Für die Landesvorsitzende der GEW, Laura Pooth, ist die heutige Entscheidung ein Unding: „Die Tätigkeiten, die über das Unterrichten hinaus gehen, haben massiv zugenommen“. Laut Pooth fehle den Lehrern Zeit, um sich neben dem Unterricht um Themen wie Inklusion und Organisation des Ganztagsbereichs zu kümmern.

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Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen

Nach dem Verfahren kündigten die GEW und der Anwalt des Klägers an, dass man nun vor das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg ziehen werde. Der nächste Prozess eines Lehrers, der wegen Überlastung klagt, soll Ende November vor dem Verwaltungsgericht in Osnabrück stattfinden.