Leck: WikiLeaks enthüllt mehr als gewollt

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21. August 2012 - 19:44 Uhr

WikiLeaks: Namen von Informanten veröffentlicht

Die Veröffentlichungen von WikiLeaks haben seit jeher den Zorn der Regierungen, insbesondere der US-Regierung, auf sich gezogen Auch wenn die Enthüllungsplattform stets kontrolliert zu Werke ging, waren den Regierungen die Informationen für die Weltöffentlichkeit des Guten zu viel. Das in Augen von WikiLeaks richtig Brisante und Gefährliche, Angaben, die Personen in Gefahr bringen könnten, wurden von der Plattform und den mit ihr kooperierenden Medien stets unkenntlich gemacht.

Jetzt hat WikiLeaks die Kontrolle verloren. Unredigierte Originaltexte der ab Herbst 2010 veröffentlichten Berichte von US-Diplomaten in aller Welt sind nun im Internet aufgetaucht, mit den Namen von Informanten der US-Botschaften, die teilweise sehr sensible und somit für sie gefährliche Informationen lieferten. Warum das passiert ist, darüber herrscht Streit.

WikiLeaks und Plattformgründer Julian Assange suchen ihr Heil in der Offensive, schieben die Schuld von sich. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen einen Journalisten der britischen Zeitung 'The Guardian', die bislang mit WikiLeaks zusammenarbeitete. David Leigh habe in einem Buch "rücksichtslos und ohne unsere Zustimmung einzuholen" ein Passwort zur Entschlüsselung Hunderttausender unveröffentlichter und zum Teil noch unredigierter Botschafts-Telegramme veröffentlicht, heißt es in einer WikiLeaks-Erklärung. Mit der Herausgabe des Buches im Februar dieses Jahres habe die Zeitung gegen eine Vertraulichkeitsabsprache verstoßen und Menschen gefährdet. Der 'Guardian' wies die Vorwürfe zurück.

"Es ist Unsinn zu behaupten, dass das WikiLeaks-Buch des 'Guardian' in irgendeiner Weise die Sicherheit gefährdet hat", erklärte die britische Zeitung. In dem Buch sei zwar ein Passwort genannt worden, "uns wurde aber gesagt, dass es ein zeitlich begrenztes Passwort sei, das verfallen und binnen Stunden gelöscht werde."

Domscheit-Berg und Assange schieben Schuld hin und her

Außerdem beschuldigt Assange 'WikiLeaks-Aussteiger' Daniel Domscheit-Berg, mit dem Assange schon länger einen erbitterten Streit führt. Assange warf Domscheit-Berg über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie "ein gesteigertes Maß an Niedertracht" vor. Er habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben, hieß es in einem Schreiben des Anwalts. "Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter", heißt es in einem Schreiben des Berliner Anwalts von Assange. Konkrete juristische Schritte gegen Domscheit-Berg werden in dem Brief des Anwalts nicht angekündigt.

"Aus meiner Sicht ist das Schreiben ein klassisches Ablenkungsmanöver", erwiderte Domscheit-Berg. Im Umgang mit den Botschaftsdepeschen habe WikiLeaks nun mehrfach Fehler gemacht, zum Teil wegen "des fahrlässigen Handelns von Herrn Assange". Domscheit-Berg startete vor kurzem eine eigene Enthüllungsplattform mit dem Namen OpenLeaks.