Lebensmittel-Riese Nestlé findet Pferdefleisch in seinen Produkten

Zulieferungen kamen aus Deutschland

Nach zahlreichen Funden von Pferdefleisch in Fertigmahlzeiten haben die Behörden in Europa die Kontrollen verschärft. In Deutschland untersuchen Prüfer neben Fertigprodukten und Schlachtbetrieben auch Großküchen, wie das Bundesverbraucherministerium mitteilte.

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Nun hat der Pferdefleisch-Skandal auch den Lebensmittel-Riesen Nestlé erreicht.
dpa, Laurent Gillieron

Italienische Polizisten überprüften Standorte des Lebensmittelkonzerns Nestlé, nachdem in dessen Produkten undeklariertes Pferdefleisch entdeckt worden war. Auch die britische Lebensmittelaufsicht weitete die Suche nach Pferde- und Eselfleisch in Rindfleischgerichten aus. Am Krisenmanagement von Bund und Ländern gibt es heftige Kritik.

In Deutschland seien in 24 Proben Anteile nicht deklarierten Pferdefleisches festgestellt worden, berichtet das Verbraucherministerium. Dies sei der Zwischenstand nach 360 amtlichen DNA-Analysen in den Bundesländern, viele weitere Ergebnisse dürften noch folgen. Außerdem gibt es eigene Tests der Firmen.

Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé fand Pferdefleisch in zwei Fertigprodukten. Der Anteil in «Buitoni Beef Ravioli» und «Beef Tortellini» habe bei mehr als einem Prozent gelegen. Die Gerichte seien daraufhin in Italien und Spanien vom Markt genommen worden. Die Waren seien aus Fleisch eines niedersächsischen Produzenten hergestellt worden, teilte Nestlé mit. Das genannte Unternehmen Schypke erklärte indes in Steinfeld-Mühlen, dass es "zu keiner Zeit Pferdefleisch eingekauft hat". Künftig sollten alle Rohfleischwaren-Eingänge gentechnisch untersucht werden.

Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann entdeckte bei eigenen Untersuchungen Pferdefleisch in der bereits zurückgerufenen Lasagne ihrer Eigenmarke A&P. Auch das Warenhaus Kaufland wurde fündig. In dem Tiefkühlgericht 'K-Classic Penne Bolognese' seien geringe Anteile festgestellt worden, teilte das Unternehmen mit.

Die Discounterkette Lidl in der Schweiz fand nach eigenen Angaben bei 'Combino' Penne Bolognese eines deutschen und 'Coquette' Ravioli Bolognese eines französischen Produzenten Pferdefleisch. Die Waren seien ebenfalls aus dem Verkauf genommen worden.

Ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums sagte, es könne noch nicht gesagt werden, wo im europäischen Skandal Hauptverursacher und Mitverursacher säßen. Ermittlungen liefen auch in Großbritannien, Irland, Frankreich und Spanien. Deutschland unterstütze die Anregung der EU-Kommission, die Polizeibehörde Europol einzuschalten.

Aigner mahnt Verantwortung an

Die in Deutschland angekündigten Konsequenzen stehen weiter in der Kritik. "Bund und Länder wollen viel prüfen, müssen aber anschließend entschieden handeln. Sonst verkommt der Aktionsplan zu einem reinen Prüfplan", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Gerd Billen. Die Verbraucherminister hatten sich am Montag auf mehr Kontrollen und ein Paket gegen Lebensmittelbetrug verständigt. Geprüft werden sollen zudem eine Ausweitung der Meldepflicht für Lebensmittel-Unternehmen bei Verdacht auf Täuschungsfälle sowie höhere Strafen und Geldbußen für Betrüger.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wandte sich dagegen, Kunden Verantwortung zuzuschieben, die Schnäppchenpreise wollten. "Billig ist nicht das Problem, genauso wenig, wie regional die alleinige Lösung ist. Industrie und manche Politiker zetteln hier eine verlogene Debatte an, um von eigenen Versäumnissen abzulenke", sagte der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mahnte die Verantwortung aller Beteiligten in der Lebensmittelkette an. Auch der Handel dürfe sich nicht wegducken, sagte sie nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung der Unionsfraktion.

Bei klarer Kennzeichnung würden laut einer Umfrage 42 Prozent der deutschen Verbraucher Pferdefleisch kaufen. Bei 45 Prozent kommt Pferdefleisch dagegen nicht auf den Tisch, wie eine Umfrage der Forschungsinstituts YouGov für die Kommunikationsberatung Ketchum Pleon ergab.