Besondere Schwere der Schuld

Lebenslange Haft für Todespfleger Niels Högel

Prozess gegen Patientenmörder Högel
Prozess gegen Patientenmörder Högel
© dpa, Mohssen Assanimoghaddam, ass cul

06. Juni 2019 - 11:02 Uhr

Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Das Landgericht Oldenburg hat den "Todespfleger" Niels Högel zu lebenslanger Haft wegen Mordes in 85 Fällen verurteilt. Die Kammer stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Bereits 2015 war er zu lebenslanger Haft wegen Mordes in zwei Fällen, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung veurteilt worden.

"Die Taten sprengten jegliche Grenzen"

Högel hatte seine Opfer zwischen 2000 und 2005 als Krankenpfleger mit Medikamenten zu Tode gespritzt. Dabei brachte er in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst in Niedersachsen Patienten mit verschiedenen Substanzen in lebensbedrohliche Lagen, um bei der notwendigen Reanimierung Lob von seinen Kollegen zu bekommen und als Held dazustehen. Viele der Patienten überlebten die Reanimationen nicht.

Die Taten sprengten jegliche Grenzen, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann. Er fühle sich selber wie "der Buchhalter des Todes", weil er im Prozess sämtliche Fälle einzeln durchgehen musste.

In 15 Fällen freigesprochen

Angeklagt war der als "Todespfleger" oder "Todesengel" bekannt geworden Högel wegen Mordes in 100 Fällen. Das Gericht sah den Tatvorwurf Mord nun in 85 Fällen als erwiesen an, in 15 Fällen wurde er freigesprochen. Seine Verteidigung hatte im Vorfeld in 55 Fällen auf Mord plädiert, in 14 Fällen sah sie den Tatbestand eines versuchten Mordes erfüllt. In 31 Fällen lautete die Forderung dagegen Freispruch.

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87 Morde wurden ihm nachgewiesen

Högel selbst saß bereits wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung lebenslang in Haft. Der Mann, der damit nachweislich insgesamt 87 Menschen das Leben geraubt hat, gab vor Gericht an, sich nicht an alle seine Opfer erinnern zu können.

In seinem letzten Wort in dem Prozess entschuldigte sich Högel bei den Angehörigen seiner Opfer. Er sprach von Reue und Scham. Es sei ihm während des Prozesses klar geworden, wie viel unendliches Leid er durch seine "schrecklichen Taten" verursacht habe.