Lebenslang für Überfall auf Seniorin (93)

Täterin googelte "Menschen töten leicht gemacht"

25. März 2019 - 17:46 Uhr

93-Jährige nach Messerattacke im Rollstuhl

Es ist eine unfassbare Tat: Eine ehemalige Altenpflegeschülerin gibt sich als Pflegerin aus und klingelt in einer Seniorenanlage in Hamburg-Poppenbüttel bei der 93-jährigen Irene B. Als die alte Dame ihr den Rücken zudreht, sticht die Angreiferin mit einem Messer zu – volle 32 Mal. Miriam M. fordert Geld von der Seniorin und flieht nach der blutigen Tat mit 400 Euro aus der Wohnung. Irene B. wird lebensgefährlich verletzt, liegt wochenlang im Krankenhaus und sitzt seitdem im Rollstuhl.

Nun ist das Urteil am Landgericht Hamburg gefallen: lebenslänglich wegen versuchten Mordes, besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Unser Video zeigt, welche Szenen sich vor Gericht abgespielt haben.

Richterin bezeichnet Angeklagte als "hochmanipulativ"

Wenige Tage nach der Tat im März 2018 wird Miriam M. in ihrer Wohnung in Norderstedt festgenommen. Im September beginnt der Prozess gegen die 40-Jährige. Eigentlich soll bereits im Februar das Urteil fallen, doch das wird in letzter Minute verschoben. Der Grund: Die Verteidigung fordert eine Auswertung einer Haarprobe von Miriam M., um deren Schuldfähigkeit infrage zu stellen. Die Angeklagte soll bei der Tat unter Einfluss von Psychopharmaka gestanden haben.

Das Urteil der Richterin ist aber ein anderes: Miriam M. sei hochmanipulativ und ihre Steuerungsfähigkeit in keiner Weise beeinträchtigt gewesen. Während des Prozesses habe sie versucht, zu taktieren und unterschiedliche Krankheitsbilder vorgetäuscht, um Strafmilderung zu bekommen. Die Angeklagte hatte zunächst angegeben, von der Droge Chrystal Meth abhängig zu sein. Dann schob sie eine Psychose vor, später eine Medikamentenabhängigkeit.

Grausame Google-Anfrage: "Menschen töten leicht gemacht"

Laut Richterin sind die Angaben der mutmaßlichen Täterin "Humbug". Sie wirft Miriam M. vor, den Überfall kaltblütig geplant zu haben. Denn eine Auswertung ihres Smartphones ergab, dass sie bereits vor der Tat googelte, wie man Menschen töten kann. Eine Suchanfrage war zum Beispiel "Menschen töten leicht gemacht". Auch nach der Messerattacke habe die Angeklagte weiter im Internet gesucht: "Tote Rentnerin Wohnung Hamburg". Daran lasse sich der Tötungsvorsatz erkennen.

Ein Wunder, dass die Rentnerin überlebt hat

Für das mittlerweile 94-jährige Opfer hat sich seit der brutalen Attacke alles verändert. Die Rentnerin sitzt im Rollstuhl und muss auf einer Pflegestation wohnen. Vorher lebte Irene B. eigenständig und war nicht auf Hilfe angewiesen. Laut Aussagen der Rechtsmedizin ist es ohnehin ein Wunder, dass die Seniorin überlebt hat. Solche Verletzungen sähen sie sonst nur auf dem Obduktionstisch. Trotz aller Indizien hat die Verteidigung der Angeklagten angekündigt, in Revision zu gehen.