Lebenslang für Mörder der kleinen Jenisa (†8): "Er hat beschlossen, die Familie in Unglück, in Verzweiflung zu stürzen"

Lebenslang für Mörder der kleinen Jenisa (†8): "Er hat beschlossen, die Familie in Unglück, in Verzweiflung zu stürzen"
Späte Gerechtigkeit im jahrelang ungeklärten Fall der kleinen Jenisa: Das Landgericht Hannover hat einen 44-Jährigen wegen Mordes an der Achtjährigen zu lebenslanger Haft verurteilt.
dpa, Susann Prautsch

"Die Tat geschah einfach nur, um dem verhassten Schwager Leid zuzufügen"

Acht Jahre nach dem Mord an der kleinen Jenisa wurde ihr Peiniger verurteilt, er muss lebenslang hinter Gitter. Das Landgericht Hannover befindet den Angeklagten für schuldig, die achtjährige Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin 2007 erschlagen zu haben. Auslöser seien Streitereien mit der Familie der Lebensgefährtin gewesen. "Er hat beschlossen, die Familie in Unglück, in Verzweiflung zu stürzen", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in der Urteilsbegründung. Mit seinem Urteil entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die Nebenklage hatte zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigerin hatte mangels zwingender Beweise einen Freispruch oder eine Einstellung des Prozesses verlangt.

Der heute 44-jährige Mörder habe ein "kaltblütiges Verbrechen" begangen, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. "Die Tat geschah einfach nur, um dem verhassten Schwager Leid zuzufügen." Der Mann war früh verdächtig, die Polizei konnte ihm aber zunächst nichts nachweisen. Erst nachdem er 2014 für den Mord am fünfjährigen Dano in Herford hinter Gitter kam, kamen die Fahnder voran. Schon als Jenisa verschwand, hatten Familie und Fahnder den nun Verurteilten im Visier. Damals kam er aber aus der Untersuchungshaft frei, weil die Polizei ihm nichts nachweisen konnte. Die Leiche des Mädchens blieb verschwunden.

Er fühlte sich von Jenisas Familie gedemütigt

Erst nachdem der Mann im vergangenen Jahr für den Mord Dano hinter Gitter kam, kamen die Fahnder endlich voran. Mitgefangene erschlichen sich unter einem Vorwand das Vertrauen des Angeklagten und dieser gestand ihnen offenbar die Morde an Dano und Jenisa und schilderte, wo er das tote Mädchen versteckt hatte. Die Häftlinge informierten die Justiz, die mit den Angaben das Skelett von Jenisa 2014 an einem Wald in der Region Hannover fanden.

Was aber trieb den Verurteilten zu seinem Tun? Auch wenn er vor Gericht schwieg, gab er den Mitgefangenen Einblick in seine Beweggründe. Weil er sich als Türke immer wieder von der aus Albanien stammenden Roma-Familie seiner damaligen Partnerin gedemütigt gefühlt haben soll, entschloss er sich als Strafaktion zu dem Verbrechen. Auch Dano hat er demnach aus Rache getötet, weil er ebenfalls zur Volksgruppe der albanischen Roma gehörte. Auch wenn der Angeklagte bereits für den Mord an Dano zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, liegt das Strafmaß bei einem zweiten Mord in der Summe weiter bei einer lebenslangen Haft.

Jenisa sei wie ein Hund erschlagen worden, früher wäre für eine derart menschenverachtende Tat die Todesstrafe in Betracht gekommen, sagte der Nebenklägeranwalt. Die Verteidigerin hatte eine Einstellung des Verfahrens oder einen Freispruch gefordert. Ihre Begründung: Die Indizien seien nicht ausreichend gewesen um nachzuweisen, dass der Angeklagte der Täter ist. Nach dem abgeschlossenen ersten Verfahren habe nicht erneut gegen den Mann ermittelt werden dürfen.