Le Pen vs. Macron im TV-Duell: Frontalcrash vor der Schicksalswahl in Frankreich

Candidates for the 2017 presidential election, Emmanuel Macron (R), head of the political movement En Marche !, or Onwards !, and Marine Le Pen, of the French National Front (FN) party, pose prior to the start of a live prime-time debate in the studi
Marine Le Pen vom Front National und der parteilose Emmanuel Macron schenkten sich bei ihrem einzigen TV-Duell nichts.
JS, REUTERS, POOL

'Le Figaro': "zweieinhalb Stunden Beschimpfungen"

Was war das für ein Schlagabtausch! Die einzige Fernsehdebatte der französischen
Präsidentschaftskandidaten vor der Wahl am Sonntag hatte es in sich. Dagegen wirken deutsche Fernsehduelle wie Schlaftabletten. Marine Le Pen und Emmanuel Macron fackelten nicht lange und gingen direkt aufeinander los.

Macron bezeichnet Le Pen als "Hohepriesterin der Angst"

Die Rechtspopulistin und Kandidatin der Front National, Marine Le Pen, und ihr sozialliberaler Gegner Emmanuel Macron sprechen bei einer Live-TV-Debatte und sind dabei auf einem Bildschirm in einer Bar in Biarritz, Frankreich, am 03.05.2017 zu sehen.
Le Pen und Macron schonten sich nicht, 'Le Figaro' resümierte: "zweieinhalb Stunden Beschimpfungen".
LR wst, dpa, Bob Edme

Kein Handschlag, kein freundlicher Blick im Fernsehstudio: Die Rechtspopulistin Le Pen (Front National) und der parteilose Liberale Macron werden keine Freunde mehr. Ob beim Streitthema EU, dem Verhältnis zu Deutschland oder dem Kampf gegen den Terrorismus: Die Positionen und Weltbilder der beiden Kontrahenten sind völlig gegensätzlich. Und so schenkten sich die Rechtspopulistin und ihr sozialliberaler Gegenspieler bei ihrem TV-Duell denn auch keinen Zentimeter. Die Zeitung 'Le Figaro' resümierte online: "zweieinhalb Stunden Beschimpfungen".

Von Anfang an gingen die Kandidaten hart zur Sache, griffen sich scharf an, fielen sich ins Wort. Die zwei Moderatoren taten sich sehr schwer, die Debatte zu steuern. "Wer spielt hier mit der Angst der Menschen vor dem Terrorismus? Das sind Sie!", holte Macron direkt zum Schlag aus. "Die Hohepriesterin der Angst sitzt mir gegenüber." Der saß.

Doch das ließ Le Pen, die als harte Debatten-Gegnerin berüchtigt ist, nicht lange auf sich sitzen. "Herr Macron ist der Kandidat der wilden Globalisierung, der sozialen Brutalität, des Krieges aller gegen alle, der wirtschaftlichen Plünderung". Sie warf ihm vor: "Sie wollen Frankreich der Masseneinwanderung ausliefern." Und setzte gleich noch nach. Macron wolle Frankreich dem Nachbarn Deutschand unterwerfen. "Frankreich wird auf jeden Fall von einer Frau geführt werden. Das werde entweder ich sein - oder Frau Merkel, das ist die Wahrheit."

Umfrage: Macron setzt sich bei TV-Debatte gegen Le Pen durch

In dem TV-Duell wurde einmal mehr deutlich, wie fundamental unterschiedlich die Positionen der beiden Präsidentschaftskandidaten sind. Macron will die Franzosen von Europa und der Globalisierung profitieren lassen, während Le Pen auf Abschottung und einen staatlichen Schutz der Wirtschaft setzt, um das Land wieder in Schwung zu bringen. Auch von Europa und der Euro-Währung will sich die 48-Jährige lösen, um Frankreich wieder groß und mächtig zu machen.

In der ersten Blitzumfrage nach dem Duell verfingen dieser Vorsätze nicht: 63 Prozent der befragten Zuschauer sahen Macron als Sieger, nur 34 Prozent Le Pen. Die Debatte dürfte die Favoritenrolle Macrons also nicht ins Wanken gebracht haben. Sein Vorsprung war zuvor leicht geschrumpft, Umfragen sahen ihn für die Stichwahl zuletzt aber immer noch bei 59 bis 60 Prozent der Stimmen. Es gibt aber nach wie vor Unsicherheitsfaktoren: vor allem die Wahlbeteiligung und mögliche Enthaltungen. Ein Großteil von Macrons Wählern erklärte in einer Umfrage des Cevipof-Zentrums, nur mangels Alternative für ihn zu stimmen. Und 29 Prozent der Franzosen wünschen sich weder einen Sieg Le Pens, noch Macrons. Begeisterung sieht anders aus.