Lawinen-Opfer erzählt: "Ich hielt die Hand meiner Frau, als sie starb!"

30. Januar 2017 - 10:52 Uhr

Kinder ernährten sich von Nutella-Keksen

Nach der schrecklichen Lawinen-Katastrophe in Italien spielen sich am Ort des Geschehens noch immer dramatische Szenen ab. Ein geretteter Hotelgast berichtete nun, seine Frau sei direkt neben ihm gestorben. Doch es gibt auch Hoffnung: Drei Kinder haben überlebt – dank Nutella-Keksen. Unterdessen suchen die Rettungskräfte mit Hochdruck weiter.

Eigentlich wollte Giampaolo M. lediglich ein paar Tage mit Freundin Valentina C. im abgelegenen Vier-Sterne-Berghotel Rigopiano in den italienischen Abruzzen entspannen. Ihre fünfjährige Tochter hatte das Pärchen aus Monterotondo bei Rom deshalb bei den Großeltern gelassen.

Nun kehrt nur der Vater zur kleinen Tochter zurück! Denn nur er wurde aus dem von einer Lawine verschütteten Hotel gerettet – Mutter Valentina hat die Katastrophe nicht überlebt. Sie starb direkt neben ihrem Freund, in seinen Armen.

"Es schneit ein bisschen!"

Bäcker Giampaolo erzählte italienischen Medien vollkommen aufgelöst: "Ich habe die Hand meiner Frau gehalten. Ich habe zu ihr gesprochen, um sie wach zu halten. Die ganze Zeit. Irgendwann habe ich sie dann nicht mehr gespürt. Ich habe sie gerufen. Aber sie hat nicht geantwortet!"

Tragisch: Nur einen Tag vor dem Unglück postete Valentina ein Foto von dem kleinen Hotel bei Facebook. Ihr Kommentar: "Es schneit ein bisschen." Was die junge Mutter zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte: Dieser Schnee wurde ihr später zum Verhängnis.

Drei Kinder überleben dank Nutella

Immer noch werden in den Trümmern des Hotels, das am vergangenen Mittwoch nach einem Erdbeben von enormen Schneemassen begraben wurde, 23 Menschen vermisst. Sechs Tote wurden bereits geborgen, immerhin neun Menschen konnten lebend gerettet werden. Darunter auch die drei Kinder Ludovica (6), Eduardo (9) und Samuel (7).

Sie harrten über 50 Stunden im Billard-Raum des Hotels aus. Dort ernährten sie sich von kleinen Nutella-Päckchen und Mineralwasser. Besonders schlimm: Eduardos Eltern konnten nur tot geborgen werden, Mutter und Vater von Samuel werden noch vermisst. Die Familie von Lucovica ist hingegen wieder vereint. Sowohl ihre Eltern als auch ihr kleiner Bruder haben die Katastrophe überlebt. Die Sechsjährige sagte nach ihrer Rettung: "Darf ich meine Kekse haben?"

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Retter graben bis zur Erschöpfung

Derweil arbeiten die Rettungskräfte an der Unglücksstelle bis zur Erschöpfung weiter. Fieberhaft suchen sie in Schnee und Geröll nach weiteren Überlebenden. Papst Franziskus sandte eine Dankesbotschaft an die Einsatzkräfte: "Ich möchte all jenen Mut machen, die sich mit so viel Großzügigkeit an den Rettungsarbeiten beteiligen. Danke für Eure Nähe, Eure Arbeit, Eure konkrete Hilfe!"

Langsam zeichnet sich außerdem ab, mit welcher Wucht die Lawine auf das Hotel getroffen ist. Experten der Forstpolizei verglichen sie mit der von 4000 Lkw. Demnach hätte noch nicht einmal Stahlbeton der Wucht standhalten können. Der gerettete Hotelgast Vincenzo Forti: "Es war wie eine Bombe!"

Die italienische Staatsanwaltschaft untersucht nun, ob die Katastrophe hätte verhindert werden können. Angeblich wurden mehrere Hilferufe der Hotel-Leitung ignoriert. Die italienische Zeitung 'La Republicca' berichtet konkret von einer Mail des Hotels an den Präfekten der Gemeinde Pescara, in der schon zehn Stunden vor der Lawine dringend um Hilfe gebeten wurde. Es habe aber keine direkte Reaktion der Sicherheitskräfte gegeben.